Good Morning Karachi war 5 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im September 2016.

Good Morning Karachi

Sabiha Sumar, Pakistan , 2013
0 Min.

Sabiha Sumar hat mit ihrem Spielfilm «Silent Water» 2003 in Locarno den Goldenen Leoparden gewonnen. Die pakistanische Filmemacherin meldet sich hier zurück mit einem Spielfilm über Schönheit und Frausein in einer muslimisch geprägten Gesellschaft. Rafina lebt mit ihrer Mutter und ihrem Bruder in einem der ärmeren Viertel Karatschis. Unzufrieden mit ihrem Leben, das für sie ausschliesslich eine Zukunft als Ehefrau und Mutter vorsieht, begeistert sie sich für das überlebensgrosse Werbeplakat eines perfekten Models, das sie von ihrem Fenster aus sehen kann. Als sie Rosie, die Freundin ihrer Mutter, überzeugen kann, ihr eine Aushilfsstelle in dem exklusiven Schönheitssalon «Radiance» zu besorgen, ist sie überglücklich. Und als sie dort für eine Werbekampagne als Model entdeckt wird, scheint ihr Traum von der grossen weiten Welt und einem besseren Leben in Erfüllung zu gehen. Arif, Rosies Sohn, dessen Hochzeit mit Rafina schon geplant ist, träumt ebenfalls von einer besseren Zukunft, die er mit der Rückkehr Benazir Bhuttos in die Politik Pakistans verbindet, und engagiert sich im Wahlkampf ihrer Partei. Rafina jedoch sieht er ganz in der traditionellen Frauenrolle und missbilligt ihre Pläne, als Model zu arbeiten und sich ausserhalb der Ehe eine eigenständige berufliche Karriere aufzubauen, zutiefst. Jamal, der Besitzer der Modeagentur «Radiance» ist reich, sorglos und westlich orientiert. Er ist davon überzeugt, dass die Modeindustrie Frauen aus traditionellen Abhängigkeiten befreit und Pakistan der modernen Welt näher bringt, wenn er sagt: «Wir sind die Frauenrevolution, auf die dieses Land gewartet hat».

Eine andere Sicht auf die Rolle der Frau in der pakistanischen Gesellschaft nehmen die islamistischen Kräfte ein, die auch für die Verbrennung des überlebensgrossen Plakats von Rafina verantwortlich sind. Die politisch aufgeheizte Stimmung im Wahlkampf, in der radikale Islamisten gegen die Pakistanische Volkspartei antreten, spiegelt sich im Film in den Kommentaren des Radiomagazins «Good Morning Karachi» wider, dessen Moderator von Übergriffen konservativer Hardliner berichtet. Ankündigungen der neuesten Modeschauen der Reichen und westlich orientierten Eliten bedienen wiederum einen anderen Teil der gespaltenen pakistanischen Gesellschaft. Und schliesslich folgen die Berichte über die wütenden Proteste, die nach dem Tod Benazir Bhuttos das Land erschüttern und die Wahlen vorerst unmöglich machen. Kurz vor Rafinas erster Modeschau wird Arif wegen seiner politischen Aktivitäten verhaftet. Rosie überlebt die Sorgen um ihren Sohn, den sie allein erzogen hat, nicht. Rafina jedoch besteht ihren öffentlichen Auftritt mit Erfolg – zu dem Preis, dass sie nicht an Rosies Beerdigung teilnimmt und sich Arif empört von ihr abwendet. Rafina aber weiss, dass auch Rosie als junge Frau eine Karriere angestrebt hat und zugunsten der Familie auf vieles verzichtete. So setzt sie als erfolgreiches Model und Geschäftsfrau ihrer Freundin und Förderin ein Andenken, indem sie das Foto, das ihr schönes Gesicht ohne Schleier zeigt, für ihre Modekampagne einsetzt und an die Frauen Pakistans mit der Aufforderung «Unveil Your Loving Face» verteilen lässt.

© Kino Orient - Landstrasse 2, 5430 Wettingen - www.orientkino.ch