Videocracy war 5 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im Juli 2010.

Videocracy

Erik Gandini, Italien, 2010
85 Min.

«Wir amüsieren uns zu Tode» hiess das Buch, das Neil Postman vor vielen Jahren schon geschrieben hat. Wenn man den Niedergang der nordwestlichen Zivilisation betrachten und untersuchen möchte, dann eignet sich das Fernsehen als Studienobiekt bestens und garantiert erst noch höchstes Amüsement. Und wenn man für dieses Ansinnen das Paradebeispiel für Verblödung anschauen will, dann nimmt man sich am besten das italienische Fernsehen vor und dessen Besitzer und Herrscher Berlusconi, der seine Zuschauerinnen und Zuschauer soweit entmündigt hat, dass sie imstand waren, ihn als Regierungschef zu wählen. Wie kein anderer nutzt er seine zahlreichen Kanäle zur Machterhaltung. Bizarr und apolitisch sind die gesendeten Inhalte. Hüpfende Showgirls, vor Rührung weinende Mütter und bauernschlaue Quiz- Kandidaten bevölkern die Bildschirme rund um die Uhr. «Videocracy » fühlt den Menschen im Innern des italienischen TV-Systems den Puls: einem mächtigen Agenten, einem als Popstar gefeierten Paparazzo oder einem talentfreien Casting-Kandidaten, der für einen Auftritt am Bildschirm alles tun würde. Regisseur Erik Gandini montiert dreissig Jahre italienisches Privatfernsehen zu einem bunten Bilderreigen. Präzis und frech belegt er die erschreckenden Zusammenhänge zwischen Berlusconis Popularität, der Politik verdrossenheit der Italiener und dem wachsenden Einfluss ihrer geliebten Flimmerkiste. Eine etwas andere sommerliche Reise in den Süden und in ein Land, das in der Renaissance und rund herum die Hochkultur des visuellen Ausdrucks pflegte und sich heute selber tagtäglich der totalen Lächerlichkeit preisgibt.

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