Ajami war 7 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im August 2010.

Ajami

Scandar Copti, Yaron Shani, Israel & Palästina, 2009
120 Min.

Er ist mit einer Oscar-Nomination ausgezeichnet und hat, wo immer er schon gezeigt wurde, Begeisterung und Betroffenheit ausgelöst. Der Spielfilm «Ajami» ist spannungsgeladenes Kino. Die Handlung spielt sich in Jaffa und seinem Stadtteil Ajami. Hier ist das Babel der Gegenwart, das Leben ein permanenter Ausnahmezustand. Verfeindete leben hier als Nachbarn auf engstem Raum. Omar, der sich in die junge Hadir verliebt hat, wird in einen Streit mit einer mächtigen arabischen Familien verwickelt und von ihrer Rche verfolgt. Ihm bleibt nur die Flucht, und dennoch kann er die Stadt und Hadir nicht verlassen. Seine letzte Chance ist, das von einem islamischen Richter festgesetzte - und unbezahlbare - Schuldgeld aufzutreiben. Auch Omars Freund Malek braucht dringend Geld, denn seine Mutter ist schwer krank. Um die Behandlung bezahlen zu können, arbeitet er illegal in Israel. Das Leben des jüdischen Polizisten Dandys nimmt eine tragische Wendung, als sein Bruder spurlos verschwindet. Zutiefst überzeugt, dass er Arabern in die Hände gefallen sein muss, schwört er Rache. Während er das Schicksal seines Bruders aufzuklären versucht, bietet sich Malek und Omar ein vielversprechendes Geschäft mit zwielichtigen Drogenhändlern. Doch die Ereignisse geraten ausser Kontrolle. Omar, Malek und Dando werden in einen hochspannenden Krimi verwickelt, der alles verändern wird. Mit Yaron Shani und Scandar Copti haben ein Israeli und ein Palästinenser sich daran gemacht zu beweisen, dass das Zusammengehen möglich ist. Ihr packender Spielfilm handelt von ganz grundlegenden Fragen und führt uns ein- drücklich vor Augen, wie stark eingeschränkt unsere Wahrnehmung immer ist, wie sehr wir dazu neigen, aus Elementen der Wirklichkeit Wahrheiten zu destillieren, um handkehrum festzustellen, dass es doch anders war, als wir eben noch gemeint hatten. So ist denn ein Film entstanden, bei dem wir uns mehrfach in derselben Situation ertappen, in der sich auch mehrere seiner Hauptfiguren wieder finden: War das eben doch nicht so, wie wir es gemeint hatten? Für uns im Kino hat das keine weiter reichenden Folgen als die, dass wir erkennen, was ein veränderter Blickwinkel bewirken kann. Der Film ist so raffiniert gebaut, dass er dieselbe Geschichte aus mehreren Perspektiven erzählt, ohne sie einfach zu wiederholen, vielmehr um uns mehrmals eine ganz andere Ansicht und Einsicht zu gewähren. Das enthält Sprengkraft.

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