La forteresse war 5 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im März 2009.

La forteresse

Fernand Melgar , Schweiz, 2008
108 Min.

Wer kommt rein, wer bleibt draussen? Das ist für Flüchtlinge eine zentral gewordene Frage. Der Westschweizer Filmemacher Fernand Melgar nimmt ein hiesiges Asylzentrum unter die Kameralupe und macht das so überzeugend, dass sein Film «La forteresse» (Die Festung) am Filmfestival von Locarno als bester Film der Reihe «Cinéastes du présent» ausgezeichnet und von Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf für so glaubwürdig befunden wurde, dass sie den Film auch all jenen zeigen will, die im Flüchtlingswesen beschäftigt sind. Nach ihrer nicht selten lebensgefährlichen Reise in die Schweiz wähnen sich viele Flüchtlinge in Sicherheit. Nur wenige ahnen, dass ihnen die letzte, entscheidende Prüfung noch bevorsteht: das neue Schweizer Asylverfahren. Das Chaos der Welt, dem die Flüchtlinge entflohen sind, kontrastiert mit den klaren Regeln im Zentrum: Ausgang von 8 bis 12 Uhr und von 13 bis 17 Uhr 30. Sackgeld gibt es 3 Franken pro Tag. Abwechslung bieten den wartenden Flüchtlingen etwa das Fussballspiel auf dem betonierten Hof oder Forsteinsätze im Wald. Manche versuchen ihren Kummer auch im Alkohol zu ertränken. Sechs Monate dauerte es, bis der Filmemacher die Bewilligung für seinen Dreh hatte. Zum ersten Mal durchdringt in «La forteresse» eine Kamera uneingeschränkt die Mauern eines Schweizer Empfangszentrums für Asylbewerberinnen und Asylbewerber. Sie vermittelt einen menschlichen Blick auf einen kargen Übergangsort, wo 200 Männer, Frauen und Kinder zwischen Hoffen und Bangen darauf warten, dass der Staat über ihr Schicksal entscheidet. Mitleid und Misstrauen prägen den Kontakt zwischen den Flüchtlingen und dem Personal des Zentrums, welches das restriktivste Asylgesetz aller europäischen Staaten umsetzen muss. Mit Respekt und nicht ohne Humor führt uns der preisgekrönte Dokfilm ins Zentrum eines Orts, wo täglich Menschen aussortiert werden. «Ich wollte mit dem Film ein menschliches Bild der Asylbewerbenden zeichnen und zeigen, dass es sich dabei um Menschen handelt, die leiden», so der Regisseur mit spanischen Wurzeln, der als Kind selbst heimlich in die Schweiz kam.

© Kino Orient - Landstrasse 2, 5430 Wettingen - www.orientkino.ch