Tokyo Sonata war 7 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im Dezember 2008.

Tokyo Sonata

Kiyoshi Kurosawa, Japan, 2008
119 Min.

Die Sasakis sind eine ganz gewöhnliche Durchschnittsfamilie aus der japanischen Hauptstadt Tokyo. Als der Vater seine Anstellung verliert, beginnt eine Zeit voller Lügen. Er erzählt seinen Söhnen Takashi und Kenji und seiner Frau Megumi nichts davon. Jeden Morgen nimmt er seine Aktentasche und macht sich auf den Weg zu seiner fiktiven Arbeit. Am Abend kehr er nach Hause, als wäre nichts anderes gewesen. Der Filmer Kiyoshi Kurosawa ist bei uns nur Insidern bekannt, obwohl der Japaner bereits auf eine stolze Filmografie mit ausgezeichneten Werken zurückblicken kann. Mit dem Altmeister Akira Kurosawa ist der 1955 geborene Regisseur nicht verwandt, aber wer einen solchen Namen trägt, wird zwangsläufig mit dem Regisseur von Filmen wie «Die sieben Samurai» in Verbindung gebracht und regelmässig danach gefragt, ob er... Kiyoshi dreht andere Filme als Akira sie gestaltet hat, aber wenn sie einander einmal näher waren, dann vielleicht tatsächlich in «Tokyo sonata». Das beeindruckende und in Cannes preisgekrönte Drama um eine Familie inmitten einer wirtschaftlich schwierigen Situation erinnert durchaus an einzelne Gegenwartsfilme von Akira, doch Kiyoshi Kurosawa geht seinen eigenen Weg. Und er geht ihn konsequent. Sein Porträt einer japanischen Kleinfamilie setzt im ganz normalen Alltag an, in einem angespannten Arbeitsklima. Vater Sasaki wird auf die Strasse gestellt und beschliesst, so zu tun, als würde er immer noch seiner Arbeit nachgehen. Das führt zu teils amüsanten, immer wieder auch nachdenklich stimmenden Szenen, und man spürt, dass da einer aus dem aktuellen Leben heraus erzählt. «Tokyo Sonata» erhielt mit der Finanzkrise noch zusätzliche Aktualität, denn in unseren Gesellschaften, in denen alles so strukturiert und geordnet scheint, kann mit einem Mal ziemlich viel ins Wanken kommen. Kiyoshi Kurosawa, der verschiedene Filme im Bereich des sophisticated Horror gedreht hat, überrascht hier mit einer Familiengeschichte, in der die anderen Dimensionen sozusagen unter der Haut bleiben. Und wenn der Griff den einzelnen Familienmitgliedern zwischendurch kurz aus der Hand gleitet, so wirkt das umso stärker. Eindrückliches junges Kino aus Japan und ein Name, den man sich merken sollte - und leicht merken kann.

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