Naked Youth war 2 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im Mai 2008.

Naked Youth

Nagisa Oshima, Japan, 1961
96 Min.

Nagisa Oshima, der Regisseur von Filmen wie «Im Reich der Sinne» oder «Merry Christmas, Mr. Lawrence» ist die bei uns wohl bekannteste Figur des japanischen Kinos der 60er Jahre. Er debütierte 1959, also exakt im gleichen Jahr wie seine französischen Kollegen der Nouvelle Vague, mit seinem Spielfilm «Ai to Kibo no Machi» (Street of Love and Hope), um ein Jahr später schon mit Seishun «Zankoku Monogatari» (Nackte Jugend) nachzudoppeln. Beide Klassiker gelangen nun dank trigon-film in neuer Kopie in die Kinos, und beide machen deutlich, was für eine Aufbruchstimmung auch das japanische Kino damals prägte. «Nackte Jugend» handelt von einem jungen Liebespaar, das sein Geld mit kleinen Gaunereien verdient und immer mehr kriminell wird. Das allein erinnert schon an «A bout de souffle» von Jean-Luc Godard, der zur gleichen Zeit entstand. Welten voneinander entfernt entstanden, sind sie beide Ausdruck einer globalen Befindlichkeit zum einen, Welten umspannende Lust, mit Gewesenem zu brechen und Neues daraus zu entwickeln, die Filmsprache explodieren zu lassen, um sie neu zu ordnen. Irgendwann hat diese Lust von der Leinwand auf die Strassen übergegriffen und eine Bewegung ausgelöst, deren heuer aus Anlass von 40 Jahren 1968 überall gedacht wird. Bestechend ist noch heute die erzählerische Wucht, mit der dieser Film aufwartet. Auf Breitleinwand gewagte Cadragen, radikale Nähe und die Verknüpfung von Besitz und Sexualität - übers Auto, denn mit ihm kommt mann leichter an ein Mädchen heran. «Unsere Generation der ungefähr zwischen 1930 und 1940 Geborenen», meinte Nagisa Oshima später, begann «mit grossen Meistern. Diese hatten eine innere Gewissheit, die Welt so zu sehen, wie sie ist. Wir aber hatten diese Gewissheit nicht mehr, wir wussten nicht, ob diese unsere Sicht der Realität noch stimmte. Bei Kurosawa und Ozu merkt man diese Ungewissheit nicht: Stilistisch und methodisch begannen wir zu experimentieren, wir haben versucht, die Sehweise zu wechseln, haben begonnen, eine neue Sicht zu finden.» Oshimas «Nackte Jugend» ist von ungebrochener Modernität und Radikalität.

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