I'm Not There war 6 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im April 2008.

I'm Not There

Todd Haynes, USA, 2007
135 Min.

Mit Bob Dylan konnten unsere Proud Members vor bald einem Jahr den 5. Geburtstag des Filmtreffs Orient feiern. Martin Scorseses epischer Dokumentarfilm «No Direction Home» über die schillerndste Figur in der Musikgeschichte der letzten vierzig Jahre liess uns auch eintauchen in eine ganze Epoche. Jetzt nähert sich Todd Haynes dem unfassbaren Bob Dylan und lässt ihn in seinem Spielfilm gleich von sechs verschiedenen SchauspielerInnen verkörpert in Erscheinung treten. Das ist ein mutiger, aber konsequenter Entscheid und formal eine Art kaleidoskopische Betrachtung. Als 11-jähriger Singer-Songwriter (Marcus Carl Franklin) reist «Dylan» Ende der 50er Jahre durchs Land wie einst die schwarzen Blues-Legenden. Mit 19 ist er ein scharfzüngiger Poet (Ben Whishaw), wenig später ein erfolgreicher Folk-Troubadour (Christian Bale) im pulsierenden Greenwich Village der frühen 60er. Kaum als Stimme einer neuen Generation gefeiert, erfindet er sich als Bandleader (Cate Blanchett, die einen Golden Globe für ihre Dylan-Rolle erhielt) neu und stösst seine Fans mit elektrifiziertem Rock vor den Kopf. Er reüssiert als Schauspieler (Heath Ledger), scheitert als Familienvater, gerät als christlicher Prediger in Vergessenheit – und taucht wieder auf im Hinterland von Missouri: als in die Jahre gekommener Outlaw (Richard Gere), der sich noch einmal auf die Reise macht. Regisseur Todd Haynes verknüpft diese Geschichten zu einer raffiniert verschachtelten, herrlich unkonventionellen Filmbiografie. Selbst so facettenreich und widersprüchlich wie sein Gegenstand, porträtiert «I’m Not There» Bob Dylan als faszinierend vielfältige Persönlichkeit, als charismatischen, rätselhaften, widerspenstigen Star, der in keine Kategorie passt: Kaum glaubt man, ihn verstanden zu haben, ist er schon weitergezogen und längst ein Anderer. Die Legende lebt! Bob Dylan, Musiker, Geschichtenerzähler, Lichtgestalt, Diva, Visionär. «I'm Not There» ist weit mehr als ein gewöhnliches Musiker-Porträt. Regisseur Todd Haynes, der sich mit «Velvet Goldmine» und «Far From Heaven» international einen Namen gemacht hat, nähert sich dem Geheimnis hinter dem Mythos Bob Dylan und er tut dies auf ebenso ungewöhnliche wie innovative Weise, sein kaleidoskopartiger Film zeigt den aussergewöhnlichen Künstler in all seinen Facetten. Kombiniert mit den darstellerischen Qualitäten eines sensationell spielenden Ensembles ist «I'm Not There» von einer mitreissenden Intensität, die der einzigartigen Bedeutung des Künstlers Bob Dylan voll und ganz gerecht wird. Am Filmfestival von Venedig erhielt der Regisseur für seinen aussergewöhnlichen Spielfilmessay mit guten Gründen den Jurypreis.

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