The Bothersome Man war 5 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im November 2007.

The Bothersome Man

Jens Lien, Norwegen/Island, 2007
90 Min.

Inmitten einer kargen Landschaft, irgendwo in the middle of nowhere, hält ein grosser Bus und spuckt seinen einzigen Passagier in eine neue Welt aus. Andreas hat keine Ahnung, wie er hierher gekommen ist und was er tun soll, doch das braucht er auch nicht. Er wird von einem netten Mann abgeholt und in ein vorgefertigtes und anonymes Leben gesteckt. Er bekommt einen Job, ein Appartement – und im Schrank hängen schon die Hemden in der richtigen Grösse. Die Umgebung ist schön und die Arbeitskollegen sind nett. Doch Andreas fällt schnell auf, dass hier etwas nicht stimmt. Die Menschen um ihn herum scheinen völlig emotionslos zu sein, ihre Kommunikation beschränkt sich auf Oberflächlichkeiten. Sie lächeln ihm zu und er weiss nicht, ob sie ihn überhaupt gesehen haben. Nichts schmeckt nach etwas, auch von viel Alkohol wird man nicht betrunken, es gibt keine Kinder, kein Lachen, selbst körperliche Verletzungen heilen wie von selbst. Und ominöse «Aufpasser » sorgen für einen reibungslosen Ablauf des Lebens in der Stadt. Andreas, der nun täglich Zahlen in einen Computer einzutippen hat, macht das Spiel mit, er lächelt, ist nett und findet bald eine Freundin, Anne-Britt. Wie die meisten anderen Menschen in dieser kinderlosen Stadt interessiert auch sie sich ausschliesslich für alles, was mit «Schöner Wohnen» zu tun hat. Bald geht Andreas in ihrem wunderschönen Haus ein und aus. Doch nach mehreren Wochen mit mechanischem Sex und Gesprächen ohne Inhalt kommen Andreas erste Zweifel. Ist dies tatsächlich das Leben, das er führen will? «Bothersome Man» beschreibt eine Welt, die der unseren sehr ähnelt. Ein sarkastischer und dunkler Blick auf das Leben im Wohlstand der westlichen Hemisphäre. Auf eine Gesellschaft, die keine Probleme mehr hat. Mitgefühl ist unnötig geworden, von hohler Freundlichkeit ersetzt. Es gibt keinen Tod, keine Träume – und keine Liebe. Der Film beschreibt die totale Einsamkeit in einer Welt, die alles hat; alles, und damit nichts. Eine perfekte Gesellschaft, die im Streben nach Vollkommenheit etwas Essentielles verloren hat.

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