À bout de Souffle war 3 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im August 2009.

À bout de Souffle

Jean-Luc Godard, Frankreich, 1960
90 Min.

Der Film, der zum Angelpunkt des alten Kinos zum neuen Kino in Frankreich und Europa wurde, gedreht von einem Filmkritiker, der sein Metier der Filmkritik noch verstand und Filme zu analysieren wusste. Auch filmend. Das Kino, hat Godard mal gesagt, sei zunächst einmal zum Denken da. Heute ist das häufig nicht mehr so, verstehen zumindest die Medien das Kino auch nur noch als Unterhaltungsmaschine, von der sie sich, denkfaul, blindlings einspannen lassen. Angefangen hatte Godard mit «A bout de souffle», der ende der 60-er mit seinen elliptischen Montagen, den Jump-Cuts und dem neuen Rhythmus das Kino zünftig durchgeschüttelt hat. Neu erfunden hat der Mann die Erzählkunst mit dem bewegten Bild, ganze Hundertschaften von später in Erscheinung getretenen Filmschaffenden berufen sich noch heute auf ein Schlüsselerlebnis mit ihm, und heutige Modeströmungen wie die Dogma-Bewegung sehen alt aus, wenn man ihre Ansätze mit jenen des dreissigjährigen Jean-Luc vergleicht: Hatte er alles schon ohne PR-Getrommel praktiziert. Ein junger Autodieb namens Michel (der junge und unverbrauchte Jean-Paul Belmondo) tötet einen Polizisten, als er die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf der Fahrt von Marseille nach Paris überschritten hat und die Polizei ihn verfolgt. Obwohl er überall gesucht wird, versucht Michel, in Paris eine von ihm angebetete US-Studentin namens Patricia (Jean Seberg) zur gemeinsamen Flucht nach Rom zu bewegen und sich das nötige Kleingeld zu verschaffen, das ihm aus einem Deal mit anderen noch zusteht. Patricia allerdings will sich nicht auf Michel festlegen und in Paris bleiben und ihr Studium abschliessen. Und mit dem Geld hapert es auch. Eine klassische, aufs Wesentliche reduzierte Film-noir-Geschichte. Was Jean-Luc Godard freilich 1960 daraus gmacht hat, ist für die Entwicklung des Kinos so wichtig gewesen wie andere Klassiker, die prägend waren, etwa Orson Welles' «Citizen Kane» oder Akira Kurosawas «Seven Samurai». Godard warf etliche Regeln des Filmemachens über den Haufen und führte vor, wie es auch anders gehen würde. Wir zeigen «A bout de souffle» im Rahmen der Filmwünsche aus dem Team der Orient-Mitarbeitenden und schliessen mit diesem Aufbruchsfilm die fünfte Saison gewissermassen programmatisch ab: Neue Entdeckungen kommen bestimmt.

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