Zakir and his Friends war 2 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im März 2007.

Zakir and his Friends

Lutz Leonhardt, Schweiz, 1997
90 Min.

Unter dem Kabinenpersonal des Orients gibt es eine Schlagzeugerin. Ihr wollen wir diesen Film widmen, der die irrsten TrommlerInnen und PerkussionistInnen aus aller Welt vereint und selber Musik ist. Der filmende Musiker Lutz Leonhardt lädt uns ein zu schauen, zu lauschen, zu staunen, in jenen Rhythmus einzustimmen, den die Filmenden um den Erdball herum ausgemacht haben, in Bildern aufzeichneten und in Montagen aufgreifen. «A rhythm experience» nennt Leonhardt seine Arbeit - eine eigenständige Erfahrung in Sachen Rhythmus. Es gibt im Wesentlichen drei Ebenen in diesem Film: Eine erste wäre eine musikalische Annäherung an die Person des indischen Tabla-Spielers Zakir Hussain, mit dessen ungemein behend tänzelnden Fingern Leonhardt einsteigt, der visuell wie akustisch die Leitmelodie spielt. Eine zweite sind die MusikerInnen, die im virtuellen Raum des Filmes zusammengeführt werden, ohne dass sie real zusammenkommen müssen, die über die raffiniert verschobene Ton-Bild-Montage zur Erfahrung ihren Beitrag leisten: The Boys and Girls of Chuao, Les frères Coulibaly, George Brooks, Kodo, Renegades und Suar Agung. Da sind Bilder von Rhythmen des Alltags als Drittes, die mit zum Ganzen verschmolzen werden, auf dass sich die Schwingungen nicht nur übers Trommelfell, sondern auch über die Netzhaut ausbreiten. Dazu kann das Schlagen der Wäsche gehören, das Dreschen des Korns, eine Metallplatte, über die Autos fahren. Bildmusik kann auch ein kleiner roter Drachen spielen, der zwischen zwei Drahtseilen tänzelt, als würde er die Noten zu den Klängen setzen, die wir hören. Ein Film über die Musik würde all die Musizierenden einzeln vorstellen und einordnen. «Zakir and his Friends» strebt genau dies nicht an, will selber musizieren und tut das tänzelnd leicht. Da trommelt der Inder in der Tradition seiner Ahnen auf den Tablas, dort spielt die balinesische Formation den Bambus-Gamelan. Auf Trinidad erklingen die Steeldrums, in Venezuela die Körper von Kindern selber, und auf der japanischen Insel Sado dreschen die Kodo-Artisten schweisstriefend auf ihre überdimensionierten Instrumente ein. Mit einem Mal tänzeln da nicht mehr nur die Finger, es wogen ganze Körper im Takt der kraftvollen Schläge. Es mögen die Frauen im schwarzafrikanischen Dorf wild tanzen, bis klar wird, dass die Musik dazu über die Tonspur längst von anderswo kommt. «Zakir and his Friends» ist ein Musikgemälde, auf dem die Töne sichtbar sind. Das Gesicht des Musikers kann darauf zum Resonanzkörper werden, nicht nur dort, wo mit dem Körper selber Musik gemacht wird. Die weit geöffneten Augen scheinen im Spiel in jene Klangwelt hinüber zu blicken, von der uns der Film eine Ahnung vermittelt. Am Ende ist es Alla Rakha, der alte Vater von Zakir, Tabla-Meister auch er, der seinen Blick hebt und dem letzten Ton nachblickt, wortlos und unmissverständlich glücklich.

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