Das kurze Leben des José Antonio Gutiérrez war 3 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im März 2007.

Das kurze Leben des José Antonio Gutiérrez

Heidi Specogna, Schweiz, 2007
90 Min.

Mit guten Gründen wurde dieser Film als bester Schweizer Dokumentarfilm 2007 ausgezeichnet, nähert sich Heidi Specogna doch auf behutsame Art ihrer Figur an und schafft es, uns über sie und ihr tragisches Schicksal sehr viel zu erzählen über die Welt heute und die Migration von Süd nach Nord. José Antonio Gutiérrez ist der erste Soldat gewesen, der im Irak-Krieg gefallen ist. Nicht die Frage, warum dieser vorhersehbar verhängnisvolle Krieg geführt wird, beschäftigt die Filmemacherin, vielmehr die Frage, wer da fürs US-Establishment an die Front geschickt wird und im Sarg heimkehrt. Als José Antonio Gutiérrez als erster US-Soldat im Irak sein Leben verlor, hatte er noch nicht einmal die US-Staatsbürgerschaft. Er war ein Strassenkind aus Guatemala und suchte das bessere Leben im Norden. Als Greencard-Soldier verpflichtete er sich für die US- Armee gegen eine erleichterte Einbürgerung. Kurz nach Beginn des Irak-Krieges ging Gutierrez’ Foto um die Welt: Er war das erste Opfer auf amerianischer Seite. Behutsam zeichnet die Regisseurin das Leben eines Einzelnen nach und beschreibt gleichzeitig das Schicksal vieler anderer. Der Film erzählt die bewegende und fast unglaubliche Geschichte eines ehemaligen Strassenkindes, das sich auf der Panamericana auf die weite Reise immer nordwärts machte – voller Sehnsucht und Hoffnung nach einer Zukunft – und schliesslich weitab von seiner Heimat als amerikanischer Held gestorben ist. Auf der Suche nach den Bildern und Geschichten dieses Lebens begibt sich der Film auf José Antonios Odyssee – von Guatemala über Mexiko in die USA. Die Erzähler dieses Films sind die Menschen, die ihn gekannt haben: Seine Freunde von der Strasse, die Sozialarbeiter im Waisenhaus, seine Schwester, die amerikanische Pflegefamilie, schliesslich die Kameraden bei den US-Marines im Camp Pendleton. Die Erzähler im Film sind aber auch jene Menschen, die sich tagtäglich dem endlosen Strom der Emigranten anschliessen, mit nichts anderem im Gepäck als ihrer Arbeitskraft und der Bereitschaft, für eine kleine Chance auf Zukunft ihrer Heimat und Familie für immer den Rücken zu kehren. José Antonio Gutiérrez’ Geschichte ist nicht die eines Abenteurers. Es ist die Geschichte vom Versuch zu überleben – auf beiden Seiten dieser Welt.

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