Das Erbe der Bergler war 5 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im Januar 2007.

Das Erbe der Bergler

Erich Langjahr, Schweiz, 2005
97 Min.

Zum Jahresauftakt ein ebenso «gächer» wie ruhiger, fast schon meditativer Film aus dem Inneren der Schweiz und ein Werk, das ende Januar im Rennen um den besten Schweizer Dokumentarfilm steht. Im Film «Das Erbe der Bergler» erleben wir die letzten Wildheuer im Muotatal im Kanton Schwyz. Jedes Jahr am ersten August, dem Schweizerischen Nationalfeiertag, steigen die Wildheuer hinauf in die steilen Planggen des «Hinteren Heubrig», ausgerüstet mit Sensen, Heugaren und Griff-Holzschuhen, um die Wildheu-Ernte einzubringen, so wie das schon ihre Väter gemacht haben. Sie sind die Söhne einer Generation, die in der Herausforderung und im Einvernehmen mit der Natur lebten und überlebten. Den Filmemacher Erich Langjahr interessiert das Wissen des einfachen Lebens, die Grundlage der menschlichen Existenz. Und Martin Walder hat dazu in der NZZ am Sonntag geschrieben: «Erich Langjahrs Zeitreisen sprechen ein Bedürfnis an: es sind keine Reisen aus der Zeit, sondern in die Zeit, in die Erfahrung von Zeit. Deshalb fragen wir uns ob seines neuen Films auch nicht, was uns um Himmels willen die paar Muotataler angehen, die die Tradition des Wildheuens lebendig erhalten, jedes Jahr am 1. August in die Berge gehen, um Gras zu schneiden und um die Planggen die Steilhänge vor der Erosion zu bewahren. Am Vorabend sind die Männer aufgestiegen, im steilen Zickzack über Felsbänder, bis zu den paar Hütten, die rittlings auf einer Krete hocken. Der 88-jährige Albert Gwerder lässt sich mit dem Helikopter hissen, er will nochmals dabei sein. Vor sechzig Jahren seien da jeweils 40 bis 50 Bauern ohne eigenes Land am Arbeiten gewesen, manchmal wochenlang, um sich die Existenz zu sichern. Am 1. August um sieben Uhr in der Früh werden die Plang- gen mit aus einer Schüssel gezogenen Zettelchen im sogenannten Zirknen zugeteilt. Ein Kaffee «mit etwas Geistigem» gehört dazu. Dann wird mit der Sense gemäht, das Heu gebündelt und an einem Seil talwärts sausen gelassen. Die Ballen werden in einem Schopf verstaut und im Winter mit dem Schlitten in schwan- kenden Fuhren ganz ins Tal gefahren. Der Kommentar des Films beschränkt sich auf die nötigsten Informationen. Geredet wird ohnehin fast nichts. Das macht den Raum weit auf für Töne und Klänge und ein aufmerksames Auge.» Irgendwie wirkt die Ruhe in diesem Film wie das Echo aus einer anderen Zeit. Aber sie ist immer noch ein Stück Gegenwart, und Erich Langjahr versteht es, uns davon einen Eindruck zu vermitteln und das zu dokumentieren.

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