Umoregi - Der verborgene Wald war 4 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im November 2006.

Umoregi - Der verborgene Wald

Kohei Oguri, Japan, 2005
93 Min.

Das ist ein Film, der ein geduldige Publikum braucht, eines, das sich Zeit nimmt zu schauen und sich gehen zu lassen. In einer kleinen Stadt nahe der Berge besucht Machi die Mittelschule. Sie steckt in einem Alter, in dem das Leben noch eine klarere Richtung erfahren wird. Zusammen mit ihren Freundinnen sitzt sie zusammen, um spielerisch in Geschichten einzutauchen, die sie sich erzählen. Wirklichkeit und Geschichten beginnen sich zu durchdringen, die Grenzen lösen sich auf, und Kohei Oguri lädt uns ein, in seine eigenwillige Bilderwelt einzusteigen. Geschichten erzählen heisst immer auch, Welten erfinden. Die Geschichten mögen sich aus der Wirklichkeit nähren, aber wenn sie uns anderswo hinführen wollen, dann werden sie die Realität hinter sich lassen und sich ihre eigene Wirklichkeit schaffen. Für den Japaner Kohei Oguri sind es Bilder, die andere Welten öffnen. In seinem letzten Spielfilm «Sleeping Man» hat er einen Mann einen Film lang schlafen lassen, um seine schiere Präsenz als Provokation für die anderen zu nehmen und als Anreiz dafür, sich Gedanken übers Leben zu machen. Hier nun, in «Umoregi», was übersetzt etwa soviel wie der verborgene Baum heisst, lädt er uns auf eine ausgeklügelte Bilderreise ein, in der immer unklarer wird, wo nun die Realität der Geschichte liegt und wo die Ebene der Erzählung. Es ist eine Art «zukünftige Geschichte», die er vor uns ausbreitet, eine Geschichte, die sich uns öffnen kann, bei dem uns vieles aber auch verborgen bleiben dürfte. Die Bilder, sagt Kohei Oguri, sprechen uns sehr direkt an und folgen nicht der Logik der Wörter. Wir alle haben die erzählte Mitwelt zunächst über Bilder und Töne erfahren, indem wir als Kinder Bilderbücher anschauten oder Geschichten lauschten. Im Prinzip versucht der Japaner mit seinem Film, uns ins Erzählen von Geschichten zu entführen und, hoffend, dass wir darin eintauchen, uns ein Bilderbuch zu öffnen. Es ist ein prachtvolles Bilderbuch mit bis ins Letzte hinein komponierten Bildern, atemberaubend ausgeleuchtet mitunter, auch in den Schatten faszinierend und in verborgene Details hinein. Es ist ein Bilderbuch aber auch, das uns spürbar macht, wo wir den kindlichen Blick hinter uns gelassen haben und uns an ganz anderen Zeichen orientieren. Es scheint, dass Oguri uns mit diesem Film provozieren will, uns nur auf seine Bilder einzulassen und auch ihre Fremdheit als solche zu akzeptieren.

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