Die Grosse Stille war 5 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im März 2006.

Die Grosse Stille

Philip Gröning, Deutschland, 2005
160 Min.

Ein aussergewöhnliches Filmerlebnis und eine ungewohnte Begegnungsmöglichkeit bietet dieser im wahrsten Sinn stille, n sich ruhende Film. Die Grande Chartreuse, das Mutterkloster des legendären Kartäuserordens, liegt in den Französischen Alpen. «Die grosse Stille» ist der erste Film, der jemals über das Leben hinter den Klostermauern gedreht wurde. Der Film ist eine sehr strenge, fast stumme Meditation über das Klosterleben in sehr reiner Form. Keine Musik, bis auf die Gesänge der Mönche, keine Interviews, keine Kommentare, kein zusätzliches Material. Nur der Lauf der Zeit, der Wechsel der Jahreszeiten und das sich stetig wiederholende Element des Tages: das Gebet. Ein Film, selbst mehr Kloster als Abbild. Ein Film über Bewusstsein, über absolute Präsenz - und über Menschen, die ihre Lebenszeit in aller Klarheit Gott gewidmet haben. Kontemplation. Und über allem eine wohltuende Reise in die Stille. Denn erst in der Stille beginnt man zu hören, erst wenn die Sprache verstummt, beginnt man zu sehen.

Der Kartäuserorden gilt als eine der strengsten Bruderschaften innerhalb der römisch-katholischen Kirche. Verborgen vor den Augen der Öffentlichkeit folgt das Leben der Mönche den jahrhundertealten Regeln und Ritualen des Ordens. Die letzten Aufnahmen im Kloster sind in den 1960er Jahren entstanden, als zwei Journalisten der Zutritt zur Grande Chartreuse unter einer Bedingung gestattet wurde: keine Mönche abzubilden. 16 Jahre nach seiner ersten Begegnung mit dem derzeitigen Prior des Ordens erhielt Philip Gröning die Genehmigung, einen Film über das Leben der Mönche zu drehen. Diese einzigartige Drehgenehmigung ist das Resultat einer langjährigen und vertrauensvollen Beziehung zwischen Philip Gröning und dem Prior der Grande Chartreuse. Gröning lebte in der Grande Chartreuse mit den Mönchen und begleitete sie mit seiner Kamera. Indem er am rituellen und alltäglichen Leben teilnahm, erfuhr er selbst, was es bedeutet, ein Einsiedlerleben zu führen. Auf diese Weise begann er eine Reise in die Welt der Mönche und Novizen, die ein Leben zwischen Riten und modernen Errungenschaften führen. Nach einem fast viermonatigen Dreh im Frühjahr und Sommer 2002, weiteren drei Wochen im Winter 2003 und drei abschliessenden Tagen im Dezember desselben Jahres waren die Filmaufnahmen vollständig. Aus dem einmaligen Filmmaterial entstand der Dokumentarfilm «Die grosse Stille» in seiner langen Kinofassung, die jetzt hier zu geniessen ist. Ein Stück Meditation, ein Moment Auszeit, eine eigenständige Erfahrung über das Dokument hinaus.

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