Die Ballade von Narayama 2 war 1 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im November 2009.

Die Ballade von Narayama 2

Shohei Imamura, Japan, 1983
130 Min.

Zweimal wurde die wunderbare japanische der Novelle ┬źNarayama Bushiko┬╗ von Shichir├┤ Fukazawa verfilmt. Wir zeigen die bekannte, in Cannes mit Goldener Palme ausgezeichnete neuere Version von Sohei Imamura und die Urversion aus dem Jahr 1958 an einem Wochenende, und es besteht die Möglichkeit, die beiden Versionen nacheinander zu geniessen. Die erste Verfilmung ist einiges älter und in ihrer Machart radikaler. Im Kabukistil hat Keisuke Kinoshita die Geschichte vom Bergdorf gestaltet und geschildert, wie sich die 70-jährigen da zum Sterben auf den Berg Nara zurückziehen. Nicht alle machen das wie Grossmuter Orin freiwillig, aber sie will auf alle Fälle noch ein paar Dinge in Ordnung bringen, bevor sie sich aus dem Leben verabschiedet. Zum Faszinierenden und Zeitlosen in dieser Verfilmung gehören das Spiel mit der Künstlichkeit, die den Realismus betont meidet. Die Anlehnung ans Theater ist unübersehbar, gleichzeitig nutzt Kinoshita die Mittel des Kinos, mit denen er den Bühnenraum durchbricht und einzelne Szenen grandios aus einander hervorgehen lässt, fliessend, als wechsle er einfach den Bühnenraum. Das Ganze ist in Cinemascope gedreht und damit noch einmal in einer die Künstlichkeit unterstreichenden Form. Ein Film, der die Natur herein holt in den Kunstraum - und damit umso stärker wirken lässt. Das friedliche Leben und Sterben betont Shohei Imamura. Er hat hier seinen wohl schönsten Film gestaltet, eine bewegende Geschichte um Urfragen des Daseins, hinein inszeniert in eine traumhaft schöne japanische Berglandschaft und eine Natur, in der die Menschen ein natürlicher Bestandteil sind. Zu dieser Natur gehört das Kommen und Gehen, und von diesem handelt der Film, zwischen den beiden Polen entwirft sich das Dasein.

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