Tokyo Godfathers war 10 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im Januar 2005.

Tokyo Godfathers

Satoshi Kon, Japan, 2003
90 Min.

Was für ein Prachtsstück von Weihnachtsfilm, dieser Anime, der alle begeistert und selbst Leute, die mit Animationsfilmen sonst nicht viel anfangen können, von den besonderen Dimensionen dieser in jedem Sinn erwachsenen Filmkunst überzeugt. «Tokyo Godfathers» ist eben ausgesprochen unterhaltsam, Augen öffnend und erfrischend japanisch. Ausgerechnet am Weihnachtsabend findet das Obdachlosen-Trio Gin, Hana und Miyuki in einer Tokyoter Müllhalde ein Baby. Das denkwürdige Gespann ­ ein vermeintlicher Ex-Velorennfahrer, eine alternde Drag-Queen und eine junge Ausreisserin ­ begibt sich auf die Suche nach den Eltern des Kindes. Bald deutet alles darauf hin, dass man wohl in den besseren Gegenden der Millionenmetropole fündig werden könnte. Damit nimmt eine energiegeladene Odyssee mit bizarren Abenteuern und seltsamsten Wendungen ihren ebenso wundersamen wie irren Lauf. Tokyo Godfathers ist eine umwerfende Liebeserklärung an Tokyo mit erfrischenden Querverweisen auf Frank Capra, Charlie Chaplin und John Ford. Die erzählerische Perfektion dieser Weihnachtsgeschichte der etwas anderen Art entfaltet sich vor einer der beeindruckendsten animierten Stadtlandschaften, die je im Kino zu sehen waren. Wer Tokyo kennt, wird es in kleinsten Details hier wieder finden und in einer Atmosphäre, die die Stadt so einzigartig macht. Wer es noch nicht kennt, wird hier mehr erfahren als in manch einem Realfilm, weil Satoshi Kon ein Meister seiner Kunst ist und diese wiederum zu den wichtigsten Ausdrucksformen in Japan selber gehört. Er hat ein filmisches Feuerwerk gestaltet, das nicht umsonst an allen Festivals zum Publikumsliebling wurde. Das ist ein Kinoerlebnis der besonderen Art, weil uns über die dynamisch gezeichnete Handlung Wesentliches einer ganzen Kultur vermittelt wird und dies erst noch ungemein unterhaltsam. Wir meinen: Ein perfektes weihnächtliches Vergnügen für die Orientfamilie ­ kein Kinderfilm, zum Genuss von «Tokyo Godfathers» und seiner ebenso sentimentalen wie temporeich gestalteten Geschichte sollte man schon 12jährig sein. Nach oben ist das besondere Kinoerlebnis dafür wieder open end ­ ein besonderer Genuss für jedes Lebensalter! ­ Am Samstag 18. Dezember gibt es in Zusammenarbeit mit dem Fantoche-Festival einen Kurzfilm und eine kurze Einführung in die japanische Animekultur.

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