El Viaje war 3 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im Oktober 2004.

El Viaje

Fernando Solanas, Argentinien, 1992
140 Min.

Lange vor Walter Salles und seinem «Diario de un motocyclista» schickte der Argentinier Fernando Solanas den 17jährigen Martin Nunca, der mit seiner Mutter und dem Stiefvater in Ushuaia, dem südlichsten Zipfel Argentiniens lebt, auf eine lange Reise der Entdeckungen durch den lateinamerikansichen Kontinent. Mit dem Fahrrad bricht er wie einst Ernesto Che Guevarra auf, um seinen Vater zu suchen. Unterwegs sammelt er Erfahrungen, lernt die Facetten verschiedener Orte und Länder kennen.

Die argentinische Hauptstadt Buenos Aires steht unter Wasser, doch der Staatschef Doktor Rana (Frosch) lässt sich nicht beirren. Er hat unverzüglich auf die anhaltende Katastrophe reagiert und sich angepasst, indem er mit Schwimmflossen aus dem Regierungspalast tritt, um dem Volk sein mediengerechtes Lächeln vorzuführen. Zum Tennisspiel mit dem US-Präsidenten George Bush senior begibt sich der lateinamerikanische Politiker auf die Knie. Martin entdeckt die reichen Mythen des Kontinents, die Geschichte der Azteken und der Indios in den Anden genauso wie die katastrophalen sozialen und ökologischen Zustände der Gegenwart. Seine Suche nach dem Vater wird ein aufregendes Durchforsten des Kontinents, wobei Solanas mit Ironien die Widersprüchlichkeiten zwischen Alltagsrealität und Politik aufzeigt. Wie in den Romanen von Gabriel García Márquez sind die Grenzen zwischen dem, was ist und dem, was man sich vorstellen, erinnern, erträumen mag, fliessend. Da tauchen gedachte Figuren in der Wirklichkeit auf, um wirkliche Menschen in die Welt der Imagination zu entführen. Da werden Figuren aus der Realität zu Karikaturen ihrer selbst. Da finden sich Lebensfreude neben Trauer und Enttäuschung. «El viaje» ist ein zweistündiges Feuerwerk voller Poesie, das die Reise zum, Genuss und zu Entdeckung macht, vielleicht der umfassendste Film zum Kontinent.

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