Wir können auch anders war 2 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im Januar 2013.

Wir können auch anders

Detlev Buck, Deutschland, 1992
87 Min.

Mit einem programmatischen Titel wartet der deutsche Filmemacher Detlev Buck auf, und er hält, was er verspricht. Alles andere als dröge, überraschend frisch und unverbraucht, mit köstlichen Lakonismen im Dialog wie im Bild schickt er zwei Deppen und einen fahnenflüchtigen Russen auf die Suche nach einer Erbschaft an der Ostsee. Das bringt einen Hauch von wildem Westen in den verschlafenen Osten. «IIck mach mir selbständig», sagt sich Rudi Kipp beim Verlassen der Irrenanstalt in Sankt Nirgendwo. Draussen wird das Land neu vermessen. Zusammen mit dem Bruder Most will er Richtung Ost fahren, an die See. Man hat da von Oma ein Anwesen geerbt und träumt vom ruhigen Kugelschieben und den Bootsausflügen nach so schönen Ostseeländern wie Dänemark, Schweden und Rumänien. Der blaue Hanomag, mit dem der Dickliche und der Doofliche unterwegs sind, ist zwar alt, aber er fährt. Ganz wie das neue Deutschland. Rudi Kipp versteht sich als Freiläufer, was das Gegenteil vom Stallgänger ist ­ in der Schweinezucht. Und weil ihm die Schweine bisher näher standen als die Menschen, gibts für die Dauer von Detlev Bucks umwerfend komischer Road-Comedy natürlich eine ganze Reihe von Anpassungsproblemen. Das macht einen Reiz der Filmreise aus. Zu Most, dem nörgelnden Skeptiker und Assugrin-Deutschen, und Rudi, dem wandelnden Fragezeichen mit dem Sprachfehler («Das kann ja h - eiter werden»), gesellt sich bald einmal der verlorene Sowjetsoldat Viktor. Zwei Analphabeten und ein der deutschen Sprache nicht mächtiger Deserteur: Das muss heiter werden. Des Lesens wie des Lebens unkundig scheppern die Kipps mit ihrem Kalaschnikow-Russen durch die viele Landschaft, die sich im Norden Deutschlands unentdeckt ausbreitet. In Deutschland könne man ein Roadmovie nur mit Leuten drehen, die nicht lesen können, meinte Buck seinerzeit, denn die anderen kapieren die Schilder und sind in sechs Stunden da, wo sie hinwollen. Die Logik besticht. Und sie erinnert in der anschaulichen Verknappung nicht zuletzt an den nachdrücklichen Bayern Herbert Achternbusch, der sich vor vielen Jahren schon gesagt hat: «Du hast keine Chance, aber nutze sie.»

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