L'éternité et un Jour war 3 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im April 2004.

L'éternité et un Jour

Theo Angelopolus, Griechenland, 1998
178 Min.

Es ist nach seinen eigenen Angaben die Lieblingsrolle, die er im Kino gespielt hat: Bruno Ganz verkörpert einen Schriftsteller, dessen Stunden auf Erden gezählt sind und der sich des Unvollendeten der menschlichen Existenz bewusst wird. Und der Flüchtigkeit der Zeit. «Alles ist so schnell gegangen», stellt Alexander fest. Sie «hätte diesen Moment anhalten sollen wie man einen Schmetterling im Fliegen anhalten möchte», liest er in einem Brief seiner vor drei Jahren verstorbenen Frau. Jetzt besucht er noch einmal die Tochter, die Mutter und die Haushälterin, nimmt er Abschied von Orten voller Erinnerungen und vom Gefühl, die Liebe im Leben verpasst zu haben beim Versuch, dem Leben in der Poesie näher zu kommen. Wie lange dauert das Morgen, hatte Alexander seine Frau gefragt. Und sie gab ihm zur Antwortet: Die Ewigkeit und einen Tag. Uns fragt dieser in Cannes mit der Goldenen Palme preisgekrönte Film, der ausserhalb der Chronologie der Zeit angesiedelt scheint und mitten aus der Gegenwart spricht, was wir denn aus dem einen Tag machen, der das Morgen täglich von der Ewigkeit trennt? Der Grieche Theo Angelopoulos fragt in seinem persönlichsten Film, was denn die Dichter können in einer Welt, in der die grossen Utopien erloschen und die Grenzen gefallen sind und kleine, beengendere errichtet werden. Schwerelos führt uns die Kamera in den Zeitraum eines Lebens, sanft streicht sie mitunter Jahrzehnte zurück, lässt Vergangenes gegenwärtig werden, Gewesenes Teil sein von dem, was ist. Der Film führt uns die Flüchtigkeit der Zeit vor Augen, stellt Fragen nach dem Sinn des Schöpferischen und geht eng an Grenzen, die das Leben prägen: Die Mauern des Hauses, die Haut der Geliebten, die Bande der Familie, die Vereinigung im Widerstand, der Zaun ums Land, die fremde Sprache, schliesslich der Tod. Alexander ist an dieser letzten Grenze angelangt, und in der zufälligen Begegnung mit einem albanischen Flüchtlingsjungen wird er sich noch mehr bewusst, wie auch sein Leben Flucht war und Suche nach dem Vollkommenen. Dem Knaben erzählt er von einem Dichter, der im 19. Jahrhundert aus Italien in seine griechische Heimat zurückkehrte und die Sprache der Leute wieder lernen musste. Er hat den Menschen Wörter abgekauft, um mit ihnen seine Gedichte zu vollenden. Die Lebenszeit ist bei Angelopoulos eine Art Flüssigkristall, der sich unmerklich zu immer neuen Bildern verformen kann. Fliessend sind bei ihm die Grenzen, lassen Zeit und Ort zu einer virtuellen Zone werden, in der alles jederzeit Gegenwart sein kann, das Gelebte, das Gesehene, das Erahnte.

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