Amarcord war 7 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im August 2014.

Amarcord

Federico Fellini, Italien, 1973
127 Min.

In «Amarcord» erinnert sich Fellini an seine Jugendzeit in Rimini und zeichnet eine von einfachen Menschen, Käuzen und Originalen belebte Provinzlandschaft, wobei er auch psychische und politische Bedingtheiten der 30er Jahre einbezieht. Sein Film ist wie immer kein objektiver Bericht, sondern ein durch Erinnerungen verändertes und verwandeltes Zeitbild, in dem der brillante Satiriker Fellini seiner Phantasie und Vorliebe fürs Groteske freien Lauf lässt ­ eine bildmächtige Schau des vielfältigen, abgrundtief hässlichen wie unendlich schönen Lebens. Wir erleben Fellinis Heimat Rimini aus der Perspektive des Jungen Titta, der für den jungen Fellini steht. Autobiographisch ist der Film aber nur insofern, als er eben Erinnerungen auf Leinwandgrösse überhöht und das Leben so zeigt, wie wir es uns im Rückblick gerne verklärend behalten. Das Schiff, das da am Strand von Rimini vorüberzieht, ist eine jener traumhaften Überhöhungen (gedreht übrigens in Fellinis zweiter Heimat, Roms Cinécittà), der übergrosse Busen der Tabakhändlerin, der irre Onkel, der auf dem Baum steht und «Voglio una donna» schreit, ich will eine Frau, die Huren am Strand, der Schneefall an der Adria: Sie alle sind Elemente eines grossartigen Bildes aus einem Italien, das noch weit von Berlusconis Vernichtungspolitik entfernt war, Bilder aus einer Gesellschaft, in der das Leben in vollen Zügen genossen werden will, auch wenn das so einfach nicht immer ist.

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