Sanjuro war 2 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im Februar 2004.

Sanjuro

Akira Kurosawa, Japan, 1961
96 Min.

Der Schwertkampf-Film hat in Japan im Verlauf der Filmgeschichte des Landes die buntesten Blüten getrieben und erlebt derzeit ein kleines Revival in verschiedenen Filmen. Wir zeigen im Januar das schönste neue Beispiel und einen Klassiker. Denn einer, der das Genre meisterlich beherrscht hatte, war der Altmeister Akira Kurosawa, dessen Spielfilm «Die Sieben Samurai» auch bei uns bekannt ist. Einen Spass hat sich der Regisseur mehrfach daraus gemacht, seine Samuraifigur nicht ganz den Normen gemäss auftreten zu lassen. Insofern passt sein «Sanjuro» denn auch wunderbar zum meisterlichen «Twilight Samurai», den wir in Première im Januar zeigen. Und er bietet auch einen Hintergrund zu einer Reihe von anderen Filmen, die mit unterschiedlicher Qualität auf das Genre des Samuraifilms referieren. Der erfahrene Samurai zeigt hier den jungen, idealistischen Leuten, wie schwierig es ist, zwischen Schein und Sein, Gut und Böse zu unterscheiden. Verkörpert wird die Hauptrolle von Kurosawas Lieblingsschauspieler Tosiro Mifune, der einen Müssiggänger spielt und immer erst in dem Augenblick handelt, wenn sein ausgesprochen wacher Geist ihn dazu nötigt. Was in der Figur Mifunes bereits in früheren Filmen angelegt war, das führt Kurosawa hier sorgfältig und voller Ironien auf den Kern. Am ebenso gleichgültig-rüden wie ins Absurde gezogenen Heldengehabe ergeben sich Kontraste zu einer erstarrten Gesellschaft, in der selbst junge Schwertkämpfer nicht mehr wissen, an wen sie sich halten sollen. Ihnen ist lediglich klar, dass Korruption und Clanwirtschaft in ihrem Dorf einen unhaltbaren Zustand angenommen haben. Und so finden sich neun Kämpfer am Anfang von «Sanjuro» zum Widerstand gegen die herrschenden Zustände zusammen. Mit dem jüngsten Meisterwerk «Twilight Samurai», das wir in Kinopremiere zeigen, hat Kurosawas Klassiker verschiedenes gemein, etwa den Abgesang auf eine Epoche. Und die beherrschte Machart. Arbeitet Yamada mit der Sanftheit, so spielt Kurosawa mit der Ironie, denn «Sanjuro» ist einer jener Filme, die sich selber nicht zu ernst nehmen, aber mit grosser Ernsthaftigkeit gedreht wurden. Das macht ihn erst recht unterhaltsam. Die jungen Samurai, die an seinen Fersen kleben und absolut fasziniert sind von der Schnelligkeit des Meisters, mag er nicht, denn er ist vom Sinn dessen, was er zur höchsten Perfektion beherrscht, alles andere als überzeugt. «Versucht mir nicht zu folgen», faucht er sie an. Das ist nicht nur wörtlich gemeint, in bezug auf den Weg der vom Dorf wegführt, das darf man auch im übertragenen Sinn sehen: Ein Held, der andere Waffen als die des Geistes braucht, ist keiner.

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