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La ciénaga war 4 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im März 2003.

La ciénaga

Lucretia Martel, Argentinien, 2001
103 Min.

Der Februar im Nordwesten Argentiniens kann sehr heiss sein. Alles brütet in einem Käfig aus Hitze und wird vor Trägheit langsam verrückt. Tropische Regengüsse verwandeln den Boden in sumpfigen Morast, in tödliche Fallen für grössere Tiere und Brutstätten für Ungeziefer jeder Art. Mecha ist um die 50, Mutter von vier Kindern, Ehefrau eines Mannes, der sich die Haare färbt, und Hausherrin mit Dienstbotenproblemen. Nichts, was ein paar Drinks nicht heilen könnten. Tali ist Mechas Cousine. Sie hat vier laute Bälger. Ihr Mann liebt sein Haus, seine Kinder und die Jagd. Siewohnen in der Stadt La Ciénaga, was soviel bedeutet wie sumpfiger Morast. Um der Hitze zu entfliehen, verbringen Mecha und ihre Familie den Sommer in La Mandragora, einem Landsitz, dessen Glanz längst verblichen ist. Die Argentinierin Lucretia Martel darf als eines der grössten Talente im jungen Filmschaffen Lateinamerikas bezeichnet werde, ihr Erstling «La ciénaga» belegt dies eindrücklich. Der Film beschreibt anhand eines Wochenendes auf dem Land die gesellschaftliche Situation in Argentinien. Fiebrig, schwül, drückend, zerbrechlich, sekundenschnell von einem Extrem ins andere kippend sind Momente, die die Filmemacherin in ihrer visuellen Sprache adäquat umzusetzen versteht. Sie inszeniert ihr Drama in die tüppige Szenerie hinein, man hat beim Betrachten das Gefühl, die Zeit würde still stehen, man würde sich aus ihr hinaus bewegen und es doch nicht schaffen, weil die Situation im wahrsten Sinn unausweichlich wirkt. Das ist kein Unterhaltungskino, das ist ein starkes Stück Realitätsbetrachtung hier und heute und unter den zahlreichen Filmen, die uns aus Argentinien trotz der grossen wirtschaftlichen Krise erreichen, einer der unter die Haut geht.

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