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A Fish Called Wanda war 1 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im Dezember 2013.

A Fish Called Wanda

Charles Crichton, Grossbritannien, 1988
108 Min.

Zum Sylvester und aus Anlass ihres 25. Geburtstags zeigen wir die schräge britische Komödie «A Fish Called Wanda»: Petri Heil! Archie, Ken, Wanda, Otto und George sehnen sich je auf ihre Art nach besseren Zeiten. Archie wagt dies, seinem Stand gemäss, kaumm auszusprechen, lebt er doch als angesehener Anwalt ein gelinde gesagt unterkühltes Eheleben. Ken liebt Fische, vor allem jenen, den er Wanda nennt, weil die Frau seines Chefs George so heisst und er unter all den Menschenwesen sie besonders gut mag. Bleibt Otto, Wandas angeblicher Bruder, der sich als Amerikaner italienischer Herkunft ausgibt und letzteres mit seinem Namen belegt - der sei nämlich italienisch und heisse acht.

Ken, Wanda, Otto und George tun sich zusammen, um in einem Juweliersgeschäft in Londons Hatton Garden ein paar edle Steine zu angeln und sich mit dem Erlös nach Rio abzusetzen. Aus der gemeinsamen Aktion wird rasch ein Spielchen, in dem jeder für sich kämpft, getreu dem kapitalistischen Motto: Traue Deinem Nächsten sowenig wie dir selbst. Das System macht sie alle auf Moneten scharf. Mit Charles Crichton hat sich ein alter Spezialist in Sachen britischem Humor mit den jüngeren Bösewichten John Cleese und Michael Palin von Monty Python zusammengetan. Damit dürfte Kennern der Materie klar sein, dass dieses Fischgericht ziemlich hemmungslos aufgetischt wird: Ein komischer Lecker-Bissen am andern wird serviert. Das geht von aus von den irr klischierten Figuren über die cleveren Dialoge, sich jagende Handlungsschemen bis hin zu makabren Spässen und durchaus tiefsinnigen Sentenzen. Treibende Kraft ist das umwerfende Duo Jamie Lee Curtis als Wanda, die sich an Sprachkenntnissen ihrer Begleiter unheimlich anturnen lässt, und Kevin Kline, der in der Rolle des beinahe unbesiegbaren Ottos komisches Talent an den Tag legt. Er darf zu Fanfarenklängen den Machio mimen, dessen Wortschatz er aus dem Inhalt einer venezianischen Menukarte zusammenstellt, darf feststellen, wie gerne er die Engländer ausraube, «weil sie so nett sind».

Jede höhere Kultur basiert auf Brutalität, zitiert Otto seinen Hausphilosophen Nietsche, während er den wehrlosen Ken mit Frites, dem «britischen Beitrag zur Weltküche», foltert und ihm seine Fischchen lebendigen Leibes verschluckt. Wie jede Komödie lebt «A Fish Called Wanda» von Überdrehungen, die Crichton und Drehbuchautor Cleese immer wieder auf menschliche Schwächen zurückführen und damit auch dort erträglich machen, wo sie mit der Walze hingedrückt wurden. Mit Anwalt Archie, der nach seinem Strip als Edelklassenvertreter mit dem dastehen darf, was jedem mit auf den Lebensweg gegeben wurde, wird die sogenannt bessere Gesellschaft genauso ausgezogen wie am Ende wieder hoffnungsvoll entlassen. Schliesslich steckt in jedem etwas, wenn er es nur freikriegt. Eine britische Komödie von wahrlich erster Güte.

Walter Ruggle 

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