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Hanezu war 4 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im September 2012.

Hanezu

Naomi Kawase, Japan, 2011
91 Min.

Die bei uns zu wenig bekannte Filmemacherin Naomi Kawase, die in Osaka eine Ausbildung als Fotografin absolviert hat und anschliessend das Medium auch lehrte, filmt seit Jahren schon im wahrsten Sinn munter drauflos. Man sieht ihren Filmen an, dass eine unbändige Lust am Einfangen, Festhalten, Aufzeichnen, Abtasten sie antreibt, auch wenn sie im Vergleich zu ihren Anfängen inzwischen ganz beherrscht arbeitet und durchaus auch komponierend. Naomi Kawase wurde in die ländlichen Gegend des Yoshino-Gebirges hinein geboren. Der Vater hat die Mutter bald im Stich gelassen, die Tochter wuchs bei der Grossmutter auf. Die Natur spielte denn in Kawases Filmen immer die Hauptrolle. So auch in ihrem jüngsten «Hanezu – Die Farbe Rot», einer tragisch verlaufenden Dreiecksliebe, die in den Bergen der Nara- Region angesiedelt ist. Kawases Geburtsort ist zugleich Wiege der japanischen Kultur, eine Fundgrube voller Mythen, die Tonfall und Rhythmus ihrer Geschichte vorgeben. Der kontemplative Stil ihres Filmes stach vor einem Jahr aus dem Wettbewerb des Filmfestivals von Cannes heraus, ihr betont langsamer und meditativer Erzählstil, der auf die Kraft eines jeden einzelnen Bildes vertraut. Michael Sennhauser verglich den Film mit dem Cannes-Sieger 2011 und meinte auf Radio DRS: «Weil ‹Hanezu› im Prinzip das Gleiche versucht, wie Terrence Malick mit seinem «Tree of Life»: Eine poetische Annäherung an das menschliche Drama der Liebe seit Urbeginn der Welt. Aber wo Malick zu überwältigen sucht, singt Kawase ein leises Lied.» Ihr Lied macht die Natur nicht vor, es nimmt ihre Schwingungen auf und teilt sie mit uns.

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