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Der 10. Mai war 1 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im Mai 2012.

Der 10. Mai

Franz Schnyder, Schweiz, 1957
90 Min.

Gegen fünf Uhr morgens überrascht Zöllner Tschumi den deutschen Flüchtling Kramer, als dieser den Rhein durchschwimmend über die Grenze kommen will. Papiere hat er keine; er wird von der Gestapo gesucht und verlangt politisches Asyl. Da er aber nichts beweisen kann und darum riskiert, zurückgeschickt zu werden, lässt ihn Tschumi laufen. An diesem 10. Mai marschiert Hitler in Holland, Belgien und Luxemburg ein – und entlang der Grenze zur Schweiz stellen sich deutsche Divisionen auf. Aus Furcht vor einem Überraschungsangriff befiehlt der Bundesrat die Generalmobilmachung. Kramer gelangt nach Zürich, wo er Anna, einer Kindheitsfreundin, begegnet. Sie ist Schneiderin und rät ihm, die einflussreichen Heftis um Hilfe anzugehen. Wie viele andere wohlhabende Familien haben sich die aber schon in die Innerschweiz abgesetzt. Der Flüchtling verbringt diese lange Nacht in einer Mansarde und befürchtet jeden Moment, vom Schwager Annas denunziert zu werden. Am nächsten Morgen beschliesst er, sich dem Wachtmeister Grimm zu stellen, der sich seines Falls annimmt. Dieser Film war Franz Schnyer, der mit den Ueli-Filmen berühmt werden sollte, ein besonderes Anliegen. Um ihn realisieren zu können, musste er ihn selbst produzieren. Schnyder selbst hatte den 10. Mai in einem Gebirgsregiment erlebt und mit eigenen Augen, wie sich die reichen Mitbürger verhalten haben: In Angst um ihr Hab und Gut flüchteten sie Richtung Zentralschweiz. Während Franz Schnyder 1956 am Drehbuch arbeitete, fand der Aufstand Ungarns gegen die sowjetische Herrschaft statt, und er beschloss, die Analogien zwischen den beiden Ereignissen hervorzuheben, das heisst den Angriff einer Grossmacht auf ein kleines Land. Obwohl der Film von historischem Interesse ist und er von der Presse wohlwollend aufgenommen wurde, verschmähte das Publikum jener Zeit das Werk. Es wurde später von der deutschen Regierung gekauft und dann als pädagogisches Dokument verwendet, um die Schwächen und die Stärke der Demokratie zu illustrieren.

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