© Kino Orient  


Seelenschatten war 3 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im Januar 2003.

Seelenschatten

Dieter Gränicher, Schweiz, 2002
89 Min.

Zwei Frauen und ein Mann, die unter schweren Depressionen leiden, werden eineinhalb Jahre lang filmisch begleitet. Ausgangspunkt der filmischen Erzählung ist ihre akut depressive Phase. Wie erleben sie ihre Krankheit und den Klinikaufenthalt? Wie entwickelt sich ihre Arbeitsund Familiensituation nach der grossen Krise? Wann fühlen sie sich wieder gesund? Der Film erforscht dunkle Seiten der menschlichen Seele und die verschiedenen Aspekte der Depression. Er weckt Verständnis für Menschen, die durch ihre psychische Krankheit nach wie vor stigmatisiert sind. Wissen und Sehen sind nicht das gleiche, meint der Zürcher Psychiater Berthold Rothschild, "kommt da eines Tages einer in meine Praxis ? nicht als Patient, ein Filmer sei er, und er wolle einen Film über Depressionen machen. Ob ich für dieses Projekt die 'Supervision' übernehmen würde? Ich bin skeptisch: da werden doch dauernd Artikel geschrieben, Interviews gemacht und auch Filme gedreht zu diesem Thema, also schon wieder so ein 'Leidens- Fledderer'? Und was soll denn das mit der 'Supervision'? Der will sich gewiss nur absichern oder seinen Film aufmöbeln und zeigen, dass er fachlich überprüft worden sei. Ich werde bald eines besseren belehrt. Dieter Gränicher will da nicht nur so schnell etwas abdrehen, sondern er will sich gründlich in die Materie vertiefen, sich viele Monate, wenn nicht gar Jahre Zeit nehmen. Und er will das schwierige Thema 'Depression' eben gerade nicht von Experten definieren und darstellen lassen ? seine Informanten sollen Patienten und Patientinnen sein, welche denn auch die wirklichen Experten dieses 'Lebensgefühls der ungewollten Traurigkeit' sind. Und es geht ihm auch nicht in erster Linie um eine Krankheit, sondern um das Erforschen und Nachzeichnen dieser Existenzform, welche von solchen Menschen über lange Phasen erlitten wird. (...) Ihm ist gelungen, was uns oft nicht gelingt: mit den von der Depression geprägten Darstellern seines Films in eine lange und vertiefte Beziehung zu treten. Ihnen (und uns als BetrachterInnen dieses Films) einen vertieften und äusserst differenzierten Einblick zu gewähren in das komplexe Erleben und Erleiden dessen, was man so verallgemeinernd und übergreifend als 'Depression' bezeichnet. Die von ihm gefilmten Menschen zeigen bei genauerem Hinsehen deutlich mehr Verschiedenheiten als Ähnlichkeiten."

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