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Nostalgia de la Luz war 6 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im März 2011.

Nostalgia de la Luz

Patricio Guzmán, Chile, 2010
Dokumentaressay, 90 Min.

Am 12. März 2011 wird Patricio Guzmàn bei uns im Kino Orient zum Gespräch über seinen Film, Chile und das Universum anwesend sein. Reservation empfohlen: 056 430 12 39.

In seinem dokumentarischen Essayfi lm geht der Chilene Patricio Guzmán von einem zweifachen Blick in die Vergangenheit aus: Zum einen sind da die Astronomen, die in der Atacama-Wüste in den Himmel blicken und den Ursprung des Universums erkunden, zum anderen die Frauen, die im Wüstensand um die Observatorien herum nach sterblichen Überresten ihrer Liebsten suchen, die Opfer der Militärdiktatur geworden sind. Eine Reise ins Licht.

Patricio Guzmán gehört zu den Schlüsselfi guren des lateinamerikanischen Kinos, und er tut dies, obwohl das Terrorregime Chiles den Filmemacher in den 1970er Jahren zum Gang ins Exil gezwungen hatte. Immer wieder hat er auf das Unrecht aufmerksam gemacht, das in seiner Heimat herrschte. «La batalla de Chile», dieses viereinhalbstündige Monument, setzte ein «Denkt mal!» in die Filmgeschichte. «Ein Land ohne ein dokumentarisches Filmschaffen ist wie eine Familie ohne Fotoalbum», hat Guzmán gesagt. Und so hat er sein Leben dem Familienalbum gewidmet, einem Album, das weit über seine Heimat Chile betrachtenswert ist, weil vieles, das der Filmemacher uns vor Augen führt, auch anderswo ausgemacht werden kann. Und weil, wenn er Salvador Allendes Geschichte beschreibt, er auch die grösseren Zusammenhänge transparent macht.

In keinem anderen Film hat Patricio Guzmán ein grösseres Mass an Allgemeingültigkeit erreicht, als in «Nostalgia de la luz». Hier löst er sich zunächst von der chilenischen Geschichte und erzählt uns von Menschen, die in der Atacama-Wüste im Norden seiner Heimat nach den Sternen gucken, weil diese hier am besten sichtbar sind. Und wer nachts in den Himmel schaut, der schaut in die Vergangenheit. Alles Licht, was uns da erreicht, ist Vergangenheit, hat einen oft Jahrtausende langen Weg zurückgelegt. Guzmán lädt uns ein zum Hineindenken ins Universum, und er stellt uns ein paar Frauen vor, die um die Teleoskope in der Wüste 20 Jahre lang im ebenfalls unendlich scheinenden Sand gegraben haben, auf der Suche nach der Vergangenheit, nach Überresten ihrer Liebsten, die die Diktatur umgebracht hat und verschwinden liess. Was für ein mickriges Geschöpf ist er doch, der Mensch im Universum, und wieviel Schmerz kann er verbreiten. Dieser Essay ist eine Einladung in andere Dimensionen.

Patricio Guzmán ist 1941 in Santiago de Chile geboren. Er studiert an der Filmhochschule von Madrid mit dem Schwerpunkt Dokumentarfi lm. 1973 beginnt er, an der Filmtrilogie «La batalla de Chile» zu arbeiten, die Salvador Allendes Regierungszeit und deren jähes Ende dokumentiert; 1979 stellt er die Trilogie fertig. Nach dem Militärputsch im September 1973 wird Guzmán verhaftet und gefoltert. Nach seiner Freilassung geht er ins Exil, zunächst nach Kuba, später nach Spanien und Frankreich.

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