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Satte Farben vor Schwarz war 12 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im März 2011.

Satte Farben vor Schwarz

Sophie Heldman, De/CH, 2010
Mit Bruno Ganz, 86 Min.

Der Film ist eine Liebesgeschichte. Es ist die Geschichte von Anita und Fred, die seit 50 Jahren ein Paar sind. Der Herbst des Lebens hat für sie längst begonnen, doch sie leben ihre Liebe weiter – selbstbestimmt, und in beweglicher Auseinandersetzung. Fred ist krank, was er vor seiner Familie verheimlicht. Nur Anita weiss um seine Krankheit. Ist das Freiheit oder Realitätsverweigerung? Der Film schildert in überraschenden Wendepunkten die entscheidenden Wochen aus dem Leben der beiden und schliesst mit der Frage nach der Möglichkeit der ewigen Liebe.

Die Regisseurin schreibt zu ihrem Film: «Zu einem glücklichen Leben gehört meiner Meinung nach der Wunsch nach einem würdevollen Ende. Die Freiheit, über den Tod selbst zu entscheiden, und die Unendlichkeit einer gelebten Liebe. Dies sind die Themen des Films. Anita und Fred sind seit ihrer Jugend ein Paar. Am Ende ihres Lebens nehmen sie sich die Freiheit und das Recht, ihr Sterben selbst zu gestalten und wählen gemeinsam den Freitod. Die Handlung beruht auf wahren Begebenheiten: Unsere Nachbarn in der Schweiz stammten aus Wien, hatten zuvor in New York und in Amsterdam gelebt und wollten sich nun in Zug niederlassen. Sie lernten sich mit 17 im ausgehenden Zweiten Weltkrieg kennen und zählten zur Wirtschaftswunder-Generation der Sechzigerjahre. Ihnen war bewusst, dass sie Glück gehabt hatten, und sie genossen ihr Leben – ein wichtiger Aspekt, um das Ende zu verstehen.

Als Jugendliche faszinierte mich die Vorstellung, dass sie sich so jung getroffen hatten und sich nach all den Jahren noch immer mit Neugier und Offenheit begegneten. Ihre Liebe füreinander war stets spürbar. Als die beiden 70 wurden, sagten sie deutlich, dass sie nicht bereit seien, ihr selbstbestimmtes Leben aufzugeben, in ein Altersheim zu ziehen oder ihren Kindern die Pfl ege zuzumuten. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass der eine den andern überlebt. Dann kam die Diagnose: Prostata-Krebs. Die Konfrontation mit der eigenen Endlichkeit war für beide nicht einfach. «Anita» und «Fred» gehörten der Generation meiner Eltern an. Ihre Geschichte hat damit einen direkten Bezug zu mir. Ihre Herkunft und ihre Werte beschäftigten mich: Was geben sie uns, bewusst oder unbewusst, mit?»

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