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Dürä! / Dunkelschwarzi Auge war 2 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im Januar 2011.

Dürä! / Dunkelschwarzi Auge

Schlienger, Lang & Reimann, Schweiz, 2010
90 Min.

Paul Hallers Werk ist von europäischem Rang. Seine Dichtungen, das Epos «s'Juramareili», das Theaterstück «Marie und Robert» sowie ein Teil der Gedichte sind in Aargauer Mundart geschrieben, die bei Paul Haller durch seine poetische Kraft einen Glanz von einmaliger Schönheit erreicht. Eine dunkle Musikalität und ein seelischer Grundton bestimmen Hallers Dichtung, in der sowohl das einstmals karge Leben und der raue Charakter der Leute als auch die weiche, verhaltene Landschaft des Jura zum Ausdruck kommen. Wenn Sprache es vermag, eine Gegend und ihren Menschenschlag im tiefsten Kern zu erfassen, so ist das Paul Haller (1882 - 1920) auf wunderbare Art gelungen. Nun hat sich die junge Filmemacherin Franziska Schlienger Paul Hallers Leben angenommen und dokumentiert eindrücklich den Mann, der von der Sehnsucht nach dem Absoluten, dem Wahren bestimmt war. Ihr Film «Dunkelschwarzi Auge» erzählt die Lebens- und Liebesgeschichte des Pfarrers, Gymnasiallehrers und Mundartdichters, der bei C.G. Jung eine Psychoanalyse machte und sich im Alter von 38 Jahren nach einer schweren Depression das Leben nahm. Unter den Mitwirkenden findet sich auch hier ein bekannter Badener: Hans Rudolf Twerenbold, der so schön aus dem Juramareieli liest. Neben diesem Dokumentarfilm über einen Aargauer Dichter zeigen wir noch einmal den Erstling «dürä!», den der Orient-Kabinenchef Rolf Lang zusammen mit Quinn Reimann als Abschlussfilm an der Hochschule für Gestaltung in Zürich realisiert hat. Die beiden erzählen die Geschichte von Michael und seinen zwei Kollegen Mani und Dani. Alle drei sind Patienten in der Psychiatrie mit dem gleichen Ziel: Sie wollen raus! Oder sind sie am Ende drei Facetten einer einzigen Figur? - Durch das Zusammenspiel der Figuren entsteht eine lebhafte Welt, die Einsichten ins Innere des manisch-depressiven Michael und den Alltag in der Psychiatrie bietet. Ein ernstes Thema, unterhaltsam und direkt erzählt, die dichte und formal eigenwillige Darstellung einer Situation. «dürä!» könnte auch einfach aus der Bahn geworfen heissen, zerrissen zwischen zwei Mustern - eine Selbstfindung in der Irre, eine Implosion. Der Film ist voller überraschender Momente und sehr gut gespielt, geprägt von schön erarbeiteten visuellen Effekten, die aus der Tiefe Bilder hervorholen. Das Fragmentierte, das Brüchige: Was ist? Was war? Was ist wahr? Schön, wie solche Fragen offen gehalten bleiben, um die Zerissenheit der Figur eines jungen Mannes zu zeichnen, der irgendwann das Leben draussen nicht mehr schaffte und es wieder finden muss, ganz allein.

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