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Au Revoir Taipei war 11 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im November 2010.

Au Revoir Taipei

Arvin Chen, Taiwan, 2010
85 Min.

An der diesjährigen Berlinale wurde der Taiwanese Arvin Chen nach der Projektion seinen ersten Spielfilm «Au revoir Taipei» vom Publikum im Forum des Jungen Films euphorisch gefeiert. Mit gutem Grund, hat er doch einen wunderbaren Genrefilm gestaltet, in dem sich eine Liebesgeschichte, eine Gangsterballade und ein Stück Slapstick zum genüsslichen Stelldichein treffen. Ein Nachtfilm ist das obendrein, ein Stadtfilm und ein Stück Musik - das alles anzuschauen macht Spass. Der Taiwanese erzählt von Kai, der halbe Nächte in einer Buchhandlung in Taiwans Hauptstadt Taipeh verbringt, ohne etwas zu kaufen. Er schmökert dort in Französisch- Lehrbüchern, um die europäische Sprache zu lernen, denn seine Freundin ist nach Paris gezogen. «Sans vous, Taipei est très triste», spricht er ihr nachts auf den Telefonbeantworter, ohne sie sei es einfach traurig hier. Am liebsten möchte Kai gleich nach Paris abfliegen, aber dazu fehlt dem jungen Mann das Geld. Überraschend kommt Hilfe in Gestalt des netten alten Gangsters Bao aus der Nachbarschaft. Der gute Onkel, der regelmässig in der Teigwarenbude von Kais Eltern speist, offeriert ihm ein Ticket nach Paris gegen einen kleinen «Kurierdienst» an. Der Gangster ist von betörender Abgeklärtheit, verbringt die Nächte Gangsterfilme schauend und hat einen leicht depperten Sohn, dessen Erscheinung zu den vielen Highlights und Glücksmomenten dieser Komödie gehört. Die anfängliche Traurigkeit des Abschieds ist rasch verfolgen, es bleibt noch ein Hauch voll schöner Melancholie im Raum, aber nun beginnt gleichzeitig ein moderner Slapstick, der von einer Frische, von einem Einfallsreichtum, von Bildwitz und von einer umwerfenden Lakonik geprägt ist, wie man das seit langer Zeit nicht mehr gesehen hat. Treibende Kraft im ganzen Geschehen ist die greifbare Liebe, die Kai nicht erkennen will und die doch so nahe wäre. Ob er es noch begreift? Umwerfend auch die Möchtegern-Ganoven in orangefarbenen Anzügen. Ein Film, gemacht für verliebte Nachtvögel, verträumte Stadtmenschen und all jene, die sich wieder einmal richtig überraschen lassen wollen im Kino. Arvin Chen jedenfalls heisst für uns eine Kino-Entdeckung des Jahres.

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