© Kino Orient  


Touki Bouki war 1 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im April 2009.

Touki Bouki

Djibril Diop Mambety, Senegal, 1973
89 Min.

Im März findet alle zwei Jahre in Ouagadougou in Bourkina Faso das Fespaco statt, das Festival des panafrikanischen Kinos. Dieses Jahr hat der äthiopische Spielfilm «Teza» von Haile Gerima den Wettbewerb gewonnen; wir werden ihn im Herbst im Orient zeigen. Hier und jetzt werfen wir einen Blick zurück auf einen grossen Klassiker des schwarzafrikanischen Kinos, auf «Touki Bouki» von Djibril Diop Mambéty. Es sind immer wieder die Kinder und Jugendlichen, die im afrikanischen Kino die Hoffnung auf eine bessere Zukunft vertreten. Das ist in diesem verrückten Film nicht anders. Mory und Anta träumen davon, nach Paris ins verheissene Land zu gehen, das Josephine Baker besungen hat. Er ist Viehhirte, doch seine Herden wurden zum Schlachthof geführt. Seitdem treibt sich Mory mit dem Motorrad, das er zum Andenken an seine Zebus mit zwei Hörnern verziert hat, in der Stadt herum. Anta ist eine junge Studentin, die ebenfalls am Rande der Gesellschaft lebt. Liebe ist der einzige Reichtum der beiden, und so entschliessen sie sich, alles zu unternehmen, um das nötige Geld für ihre Reise zusammenzubringen. Ein witziger Film über die romantische und aufregende Jugend in Senegal, vor allem aber auch eine politisch und sozial weitsichtige Reflexion über das Exil. Nicht so sehr durch seine vielbeachtete formale Eigenwilligkeit besticht dieser Film, sondern vielmehr durch seine politische und soziale Weitsicht. Auf seiner Reise in eine bessere Zukunft, die er in Paris zu finden glaubt und die am Hafen von Dakar endet, erkennt Mory, dass die Annahme einer fremden Identität nie zu einer eigenen führen kann. Mit der Besinnung auf seine eigenen Wurzeln leitet er einen Selbstfindungsprozess ein. Sowohl inhaltlich als auch formal war «Touki Bouki» seiner Zeit weit voraus. Mit abrupten Montagen, optischen Effekten, nicht linearer Erzählweise, Unterbrechungen und scheinbaren Paradoxien versteht es der früh verstorbene Djibril Diop Mambéty, die Gefühlsverfassung seiner Protagonisten eindringlich zu schildern. Wie so viele nachfolgende Filme handelt «Touki Bouki» von einer der Grundfragen in Ländern des Südens: Hier bleiben oder weggehen? Mambétys «Touki Bouki» müsste nicht nur gesehen haben, wer sich mit dem Kino des Südens ernsthaft befassen will. Es sei dies, hat Max Annas geschrieben, der spürbare Versuch, den stärksten Film zu machen, den die Welt je gesehen hatte. Radikal wie ein Glauber Rocha als brasilianischer Wesensverwandter pocht Mambéty auf die eigene filmische Ausdrucksform. In Wolof, der Sprache Senegals, bedeutet Touki Bouki soviel wie «Die Reise der Hyäne».

Druckerfreundliche Version