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Il Divo war 11 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im April 2009.

Il Divo

Paolo Sorrentino, Italien, 2008
110 Min.

22-mal war er Minister, 7-mal war er Premièrminister, 29-mal wurde er gerichtlich angeklagt, 29-mal freigesprochen. Es gibt fast nur ein Land auf Erden, in dem solche Eckdaten für einen Politiker fast schon normal sind, nur ein Land, das seine Könige in demokratischen Wahlen wählt. Es ist Italien, und der Divo, von dem in diesem Film die Rede ist, nennt es brüderlich Giulio, den Star, den Buckligen, den Fuchs, den schwarzen Papst, die Ewigkeit, den Mann im Dunkeln, den Beelzebub. Doch das stört ihn nicht, er hat einen ausgeprägten Sinn für Humor. Ruhig, listig und undurchschaubar ist Andreotti ein Synonym für die Macht im Italien der letzen vier Dekaden. Die Rede ist von Giulio Andreotti. Für seinen Erfolg gibt es ein Rezept: Verschwiegenheit. Und sein privates Archiv über die Achillesfersen der anderen. Jahre würde es dauern, bis er alle Geheimnisse ausgeplaudert hätte, die er kennt. Anfangs der neunziger Jahre scheint Andreotti mit der Kandidatur für den Präsidenten der Republik auf dem Höhepunkt seiner politischen Karriere. Die Dinge könnten nicht besser für ihn stehen. Doch dann erklärt die stärkste Gegenmacht in Italien ihm den Krieg - die Mafia. Und der Staat beginnt mit Ermittlungen gegen ihn. Schliesslich ändern sich die Dinge. Womöglich auch für den rätselhaften Andreotti... Paolo Sorrentinos Spielfilm «Il Divo» ergänzt den Knüller «Gomorra» bestens, ist ein grotesker, clownesker Politkrimi, der den siebenfachen italienischen Premierminister Giulio Andreotti als tragikomischen und gefährlichen Machtdompteur inmitten eines Zirkus der Eitelkeiten, der Korruption, des Verbrechens und des Sex vorführt. Hier macht Macht Spass! Der Film lief erfolgreich im Wettbewerb am Filmfestival in Cannes, wo er mit dem Jurypreis ausgezeichnet wurde. Und beim Europäischen Filmpreis 2008 erhielt Toni Servillo für seine Darstellung des Giulio Andreotti den Preis als Bester Europäischer Schauspieler. Der Exkurs in die jüngere Geschichte Italiens ist auch interessant, wenn man denkt, wieviel Dreck am Stecken der heutige Ministerpräsidenten Italiens hat, Da wählt ein Volk seine Ausbeuter selber.

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