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You, the Living war 4 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im Mai 2008.

You, the Living

Roy Andersson, Schweden, 2007
94 Min.

Vom Schweden Roy Andersson darf man keine gewöhnlichen Filme erwarten. Das hat er uns mehrfach klar gemacht. Er spielt mit dem Medium und mit den Skurilitäten des Lebens, und er beschreibt selber, was seinen Film speziell macht: «You, the Living» erzählt vom Menschen, von seiner Grossartigkeit und seinem Elend, von seinen Freuden und Lasten, von seiner Zuversicht und seinen Ängsten. Ein Mensch, über den wir uns lustig machen und der uns gleichzeitig auch zum Weinen bringt. Es ist dies eine tragische Komödie oder eine komische Tragödie, dessen Subjekt wir selbst sind. Ein altes isländisches Sprichwort in der Gedichtsammlung «Die poetische Edda» sagt: «Der Mensch ist des Menschen Freude». Andersson gefällt diese Idee, dass der Mensch nicht alleine auf diesem Planeten lebt, sondern von anderen Menschen abhängig ist. Auch wenn der Mensch Freude durch seine Artgenossen findet, ist er jedoch gleichzeitig auch die Quelle ihrer Probleme und ihres Leids - was sich sowohl in grossen historischen Ereignissen als auch im kleinen Alltag immer wieder manifestiert. Andersson meint weiter: Der Mensch fasziniert den Menschen: So habe ich dieses über tausend Jahre alte Sprichwort gedeutet und als Motto für meinen Film genommen. Dieser setzt sich aus einer Abfolge von Bildern zusammen, welche die «Condition humaine» illustrieren. Meine Figuren repräsentieren unterschiedliche Facetten der menschlichen Existenz. Sie treffen dabei sowohl auf grosse wie kleine Probleme, die vom täglichen Überleben bis hin zu philosophischen Fragen reichen. Ich hoffe, dass die Zuschauenden durch «You, the Living» das Gefühl erhalten, mit ihrem eigenen Leben konfrontiert zu werden. Meine Leseart dieser Faszination des Menschen von seinesgleichen wirft ein Licht auf die Philosophie, die hinter dem Film steckt. Oft verkennt das zeitgenössische Kino seine Werte und zieht eine Erzählweise vor, die mit einer konventionellen Dramaturgie phasengleich zusammen fällt. Ohne diese Herangehensweise zu verurteilen, bemühe ich mich selber um eine Filmsprache, die viel weniger vorhersehbar ist. Mein Film bricht mit der klassischen Erzählweise und arbeitet dafür mit einem Geflecht von Mosaiksteinen über das Los der Menschheit, um seine Geschichte zu erzählen. Die Bilder zeigen die Missverständnisse und Irrtümer von Leuten, die sich zwar ständig begegnen, aber nie wirklich miteinander kommunizieren. Denn sie rennen bloss der verrinnenden Zeit hinterher und beharren auf der Suche nach dem, was sie für wichtig halten. Es ist ein Film über das Leben der Menschen: Ihrer Arbeit, ihres Verhaltens in der Gesellschaft, ihrer Gedanken, ihrer Sorgen, ihrer Träume, ihrer Leiden, ihrer Freuden und ihres unersättlichen Bedürfnisses nach Anerkennung und Liebe. All das Genannte, wie auch Motivation und Erscheinung der Akteure, variiert mit jedem einzelnen Individuum, das auf diesem Planeten lebt. Gerade deswegen ist «der Mensch des Menschen Freude».

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