© Kino Orient  


Unser täglich Brot war 3 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im März 2008.

Unser täglich Brot

Niklaus Geyrhalter, Österreich, 2006
92 Min.

Wir essen und trinken tagtäglich. Wir kaufen ein und bereiten Speisen zu. Waren Ursprung und Verwertung von Nahrungsmitteln in früheren, landwirtschaftlicheren Zeiten noch sehr nahe beisammen und miteinander verknüpft, so haben sich die modernen, städtischen Gesellschaften heute sehr weit von den Nahrungsmittelproduzierenden entfernt. Ganz sicher geografisch, aber natürlich auch in verschiedenen anderen Hinsichten. Der österreichische Filmemacher Niklaus Geyrhalter hat sich immer wieder aufgemacht, Extreme des Planeten zu erkunden mit seiner Kamera und seinem Tongerät. Er ist in «Elsewhere» über 12 Monate verteilt an 12 verschiedene, nicht urbane Orte der Welt gereist und hat in je 20 Minuten verdichtet, wie es sich dort lebt. Anderswo eben. Er war in Tschernobyl und hat den heute noch eindrücklichsten Film über das Leben nach dem Gau gedreht. Oder er hat vor Jahren einen G8-Gipfel in der Westschweiz dokumentiert. Mit «Unser täglich Brot» gewährt er uns nun kommentarlos und beeindruckend einen Einblick in die Welt der industriellen Nahrungsmittelproduktion und der High-Tech-Landwirtschaft: Zum Rhythmus von Fliessbändern und riesigen Maschinen gibt der Film betont unspektakulär und so sachlich wie möglich Einsicht in die Orte, an denen Nahrungsmittel in Europa produziert werden: Monumentale Räume, surreale Landschaften und bizarre Klänge - eine kühle industrielle Umgebung, die wenig Raum für Individualität lässt. Menschen, Tiere, Pflanzen und Maschinen erfüllen die Funktion, die ihnen die Logistik dieses Systems zuschreibt, auf dem der Lebensstandard unserer Gesellschaft aufbaut. «Unser täglich Brot» ist ein Bildermahl im Breitwandformat, an dem wir alle Anteil haben, ob wir es uns anschauen oder nicht. Wir meinen, es ist einen Blick hinter die Kulissen unserer täglichen Nahrung wert, denn wir dürfen doch wissen, wie das Rind auf den Tisch kommt oder unter welchen Bedingungen es in Andalusien die Plantagenarbeiter möglich machen, dass wir in unseren Breitengraden selbst im tiefsten Winter die südlichsten Früchte und Gemüse frisch im Angebot haben. Der Film von Niklaus Geyrhalter ist eine pure, detailgenaue Filmerfahrung, die dem Publikum Raum für eigene Erkenntnisse lässt. Möglich, dass man beim nächsten Einkauf etwas wählerischer ist, aber es kann ja nicht schaden zu wissen, wie das Eingekaufte denn produziert wird oder woher es eben kommt. Jedenfalls enthält dieser Film Bilder, die man so schnell nicht mehr vergisst, obwohl oder gerade weil sie so unspektakulär sind.

Druckerfreundliche Version