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Les méduses war 10 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im November 2007.

Les méduses

Shira Geffen und Etgar Keret, Israel, 2007
76 Min.

Hier trennt sich ein Liebespaar, dort heiratet eines. So spielt das Leben. Der israelische Kultautor Etgar Keret (Gaza Blues) und die bekannte Kinderbuchautorin Shira Geffen erzählen uns mit einer halluzinierenden Mischung aus Humor und Melancholie von der Gelegenheitsserviererin Batya, die am Meer ein kleines Mädchen findet und mit ihm der eigenen Kindheit wieder begegnet. Sie erzählen von Keren, die am Hochzeitstag das Bein bricht und den Honeymoon im Hotelzimmer daheim verbringen muss, und von Joy, einer Philippinin, die sich als Haushaltshilfe anstellen lässt. Drei Frauen, die Kindheit und das Leben prägen diesen schwebend leicht gestalteten Spielfilm, der in Cannes als bester Erstling gefeiert und ausgezeichnet wurde. Zurecht. «Les méduses» ist ein sanfter Film, der wie eine erfrischende Brise vom Meeresstrand wirkt. Die Figuren in der Welt von Etgar Keret und Shira Geffen sind da, aber sie wissen nicht so recht, was sie mit diesem da Sein anfangen sollen. Irgendwie hat es sie in dieses Leben verschlagen, irgendwie schlagen sie sich durch. Es ist die Unaufgeregtheit der Erzählung, die packt, denn dank ihr kommen die Figuren und ihr zurückhaltend ausdrucksstarkes Spiel zum Tragen: Diese Gesichter, diese Melancholie und all der verborgene Humor in den Kleinigkeiten des Geschehens. Auf den ersten Blick sieht alles ganz einfach aus, so wie die Kurzgeschichten, die Etgar Keret schreibt und für die er in weit über seine Heimat hinaus bekannt ist. Er geht in ihnen mit atemberaubender Direktheit zur Sache und lässt gleichzeitig diese leichten Verschiebungen vom Gewohnten hin zum Absurden zu, die uns schmunzeln lassen. Darüber hinaus geht es nicht um die Politik im Nahen Osten, es geht um ganz menschliche Fragen, die uns alle beschäftigen. Das ist insofern wichtig, als es auch ein Leben neben den Schlagzeilen gibt und sich in ihm dieser wunderbar stille Humor sich entfalten kann. Das Meer spielt eine wichtige Rolle im Alltag einer Stadt am Meer. Keret und Geffen haben aus dem Meer viel mehr gemacht als einfach die grosse Wasserfläche vor der Stadt, den Erholungsraum. Das Meer ist hier so etwas wie der Ort, in dem die Träume ruhen. Die Braut Keren möchte von ihrem Zimmer aus aufs Meer blicken können, wenn sie schon ein Hotel am Meer hat, der Sohn von Joy wünscht sich ein Piratenschiff, und Batya wird hinabtauchen in die Tiefen des Meeres, um ihrer Kindheit noch einmal zu begegnen, sich dann an Land spülen zu lassen und endgültig im Erwachsensein stranden. «Les méduses» ist ein zärtlicher Film über das Distanzierte, er ist ein melancholischer Film über das Groteske, ein humorvoller Film über die Traurigkeit. Es ist ein Film, der das Leben verdichtet und damit so dicht fasst, dass es uns ans Herz geht.

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