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Wilde Erdbeeren war 2 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im Oktober 2007.

Wilde Erdbeeren

Ingmar Bergman, Schweden, 1957
89 Min.

Es gab eine Zeit, da machte der im Juli verstorbene Schwede Ingmar Bergman mit seinen weiss in schwarz auf Zelluloid geschweissten Dramen um existenzielle Grundfragen und zwischenmenschliches Beziehungsgerangel, um Sprachlosigkeit und Identifikationsprobleme, um Gottesfurcht und mitmenschliche Last und Laster, kurz: um Leben und Tod den Leuten das Dasein nicht einfacher aber angeregter. Zwei seiner Meisterstücke präsentieren wir in Erinnerung an einen der Grössten des Kinos. Ein versteckter Ort. Nur zu finden für den, der auch sucht, zu richtigen Zeit. Smultronstället, der Ort, an dem die wilden, süssen Erdbeeren wachsen. Wer sie findet, kostet vom Leben, vom Baum der Erkenntnis. Ein seltener Ort, ein privater Ort für den, der er ihn entdeckt. Ein Ort, den man vor anderen lieber geheim hält. Der Mediziner Isak Borg ist alt geworden. Nun soll er für seine Forschung in Lund ausgezeichnet werden. Borg hat einen Traum. Er sieht sich selbst in einem ihm fremden Stadtteil von Stockholm. Er hat die Orientierung verloren. Ein Sarg fällt von einer Kutsche, weil sie an einem Laternenpfahl mit den Rädern hängen bleibt. Der Sargdeckel öffnet sich, es ist Borg selbst, der im Sarg liegt. Bergman lässt den 78-jährigen Professoren, der zeitlebens nur an sich gedacht hat, an Orte der eigenen Vergangenheit vordringen, um aus deren Bildern heraus zu erkennen, dass das Leben nicht nur aus Nehmen bestehen müsste, es könnte auch ein Geben sein. Die eigene Verunsicherung, in der Bergman jeweils stehen mochte, findet sich verteilt auf seine Figuren. Fragen nach dem Leben, der Identität, dem Sinn, dem Tod. Sie stellte der dogmatisch streng erzogene Pfarrerssohn konsequent. Bergmans Filme sind zunächst einmal als Stücke geschrieben, wie «Wilde Erdbeeren» in den Dialogen und Monologen von allerhöchster Präzision. In der Inszenierung für die Kamera setzt Bergman seine Arbeit fort.

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