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Look Both Ways war 7 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im April 2007.

Look Both Ways

Sarah Watt, Australien, 2006
100 Min.

Ein eindrücklicher Film aus Downunder, der bei uns nicht untergehen sollte. Er stellt uns ganz grundlegende Fragen zum Da Sein und seinen Zufällen. In «Look Both Ways» erzählt die australische Malerin und Filmemacherin Sarah Watt die Geschichte von drei jungen Menschen, deren Wege sich zufällig an einem Freitag kreuzen: Meryl, die noch vom Begräbnis ihres Vaters gezeichnet ist, kämpft damit, einen wichtigen Arbeitstermin einzuhalten; Nick, der soeben vom Arzt eine schwierige Diagnose erhalten hat, muss über das Wochenende auf seine Prognose warten; und Andy, der bis Montag eine Entscheidung zur ungeplanten Schwangerschaft seiner Freundin treffen muus. Die Wege der drei kreuzen sich an der Stelle eines Zugunglücks, das Meryl als Zeugin mit angesehen hat. Nick und Andy werden als Reporter beziehungsweise Fotograf geschickt, um über das Unglück zu berichten und Meryl zu interviewen. Ein spannungsgeladenes und überraschendes Beziehungsgeflecht entsteht, bei dem wir immer wieder als Betrachtende auf uns selbst zurückgeworfen sind. Um die Ängste ihrer Protagonisten zu betonen, verwendet Sarah Watt kraftvolle und detaillierte Animationssequenzen als Ausdrucksmittel von Meryls Seelenleben. Nicks Fantasien werden unterdessen mittels einer rasanten Montage von Fotografien repräsentiert und dadurch thematisch mit seiner Arbeit als Fotojournalist und in der Weise, wie er die Welt sieht – dunkel und durch ein Objektiv – verbunden. Ein beeindruckender Film. Hat das Leben, hat die Liebe eine Chance? Zwei Figuren haben nicht viel Zeit, um es herauszufinden. Gefahr und Tod lauern überall, und doch ist der Film ausgesprochen erfrischend, lebensbejahend und gefühlvoll. Mehrere Episoden unterschiedlicher Charaktere werden zusammen geführt. Dabei geht es aber immer wieder um die elementare Frage: Was wäre wenn? Zuversicht zeichnet sich ab, und die Figuren sind bereit, einen neuen Anlauf zu wagen. «Look Both Ways» geht unter die Haut, lässt einen aber trotz der melancholischen Grundstimmung nicht in Schwermut versinken. Und an den komischen Momenten lässt sich noch erahnen, dass der Film ursprünglich als Komödie geplant war. Eine Entdeckung.

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