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Hardcore Chambermusic war 3 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im Februar 2007.

Hardcore Chambermusic

Peter Liechti, Schweiz, 2006
72 Min.

Ein zweiter musikalischer Schwerpunkt in diesem Monat, und ein Film, der uns visuell und akustisch beeindruckend am Prozess des Musikmachens teilhaben lässt. Seit über fünfzehn Jahren steht das renommierte Schweizer Jazztrio KOCH-SCHÜTZ-STUDER mittendrin im internationalen Musik-Geschehen. Ihre Musik ist heftig und direkt; nie abgehoben, doch immer sensibel; nie primitiv, doch immer sehr körperlich – anspruchsvolle Musik zum Anfassen. Das Experiment, das der Filmemacher Peter Liechti auf adäquate Art in seinem Film dokumentiert, war ein 30-tägiger Musik-Marathon zu dem KOCH-SCHÜTZ-STUDER einladen, zu Kammer-Musik in ihrer radikalsten Form: Vom 1. bis 30. September 2005 improvisierten sie jeden Abend zur gleichen Zeit zwei Sets à jeweils vierzig Minuten in einem eigens für diese Aktion gebauten Club. Das war eine Insel für Hör-Musik, 30 Tage Konzentration auf eine Sache. Liechtis Film ist die Verdichtung von dreissig Tagen Musik auf einen Film-Abend: Einsteigen, mitfahren, mitgeniessen, mitleiden – kurz: Musik erleben, mitunter in einem geradezu körperlichen Sinn. Liechti selber sagt: «Koch-Schütz-Studer ist für mich die grossartigste Gruppe im Lande – heftig und sensibel, wild und kultiviert. Anspruchsvolle Musik zum Anfassen. Ihre Sets sind durchgehend improvisiert, und es gehört zum Wesen improvisierter Musik, dass sie auch einmal durchhängt, längere Zeit einfach suchend bleibt, um schliesslich zu umso reicheren Ergebnissen zu finden. Die filmische Montage lässt uns den langen, bisweilen auch anstrengenden Weg der improvisierenden Musiker zu ihren Höhenflügen raffen und – ohne den kreativen Kampf auszusparen – zu einer musikalischen Strecke verdichten, die uns buchstäblich hautnahe Einsichten gestattet ins Innenleben dieser Musik. Nur mit den Mitteln des Films lässt sich die aufregende Lebendigkeit und Sinnlichkeit eines Livekonzerts einem Publikum vermitteln, das selber nicht physisch dabei sein kann.» Die drei Musiker sind mit grosser Liebe zum Theater, das wird auch in Liechtis Film sichtbar. Selbst bei radikaler Konzentration auf die Musik sind Ihre Auftritte immer auch visuell attraktiv. Da treffen sich eben Musik und Kino dank einem Filmemacher, der seine Sinne offen hält.

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