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The Conversation war 2 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im November 2006.

The Conversation

Francis Ford Coppola, USA, 1973
113 Min.

Der Film zum jüngsten Abhörskandal der US-Administration? Nein, deren Arbeit verdient keine Würdigung. Wohl aber dieser Spielfilm, der vielleicht der beste ist von Francis Ford Coppola und aus einer Zeit stammt, in der der Maniak noch weniger bekannt war. In seiner Machart hat er genausowenig eingebüsst wie in der Schilderung der Paranoia, in der sich die US-Gesellschaft befindet, wobei die Politik aus Washington es inzwischen geschafft hat, die halbe Welt paranoid zu machen. Die Geschichte dreht sich um Harry Caul (Gene Hackmann), und der ist einer der besten Abhörspezialisten der USA. Sein Beruf ist ihm zu einer Leidenschaft geworden, die kaum noch für anderes Raum lässt. Als er in San Francisco einen Auftrag ausführt und die Gespräche eines jungen Pärchens belauscht, wird er unversehens in ein Mordkomplott verwickelt. Caul gerät ins Visier seiner Auftraggeber und wird schliesslich selbst vom Jäger zum Gejagten. Harry Caul versucht, den bevorstehenden Mord zu verhindern und mietet sich zu diesem Zweck in ein Hotel ein, wo ein wichtiges Treffen stattfinden soll. Und tatsächlich ereignet sich dort ein Mord, ohne dass Caul feststellen kann, wer das Opfer und wer der Täter ist. Als er seinen Auftraggeber zur Rede stellen will, wird er mit der Wahrheit konfrontiert: Die von ihm beschattete Frau berichtet anwesenden Reportern gerade vom Tod ihres Mannes, der Cauls Auftraggeber war, und fährt mit dem Mann, mit dem Caul sie beobachtet hat, davon. Nun haben sich endgültig die Rollen vertauscht, denn ab sofort steht Caul als Zeuge des Geschehens unter Beobachtung. Mit deutlichen Reminiszenzen an Michelangelo Antonionis «Blow Up» und an aktuelle politische Ereignisse wie die Attentate auf die Kennedys und Martin Luther King sowie den Watergate-Skandal zeigt Francis Ford Coppola in diesem Meisterwerk die grassierende Paranoia innerhalb der US-Gesellschaft und die daraus resultierende Vereinzelung und Vereinsamung der Menschen. Neben zahlreichen anderen Auszeichnungen erhielt der Film 1974 in Cannes die Goldene Palme. Man kann diesen Thriller unter ganz verschiedenen Aspekten sehen und geniessen, angefangen bei seinen Genreelementen über die politische Leseart bis hin zur formalen Arbeit, der grandiosen Tonspur zum Beispiel, die von Tonmeister Walter Murch komponiert wurde. Um den Zusammenhang von Sehen und Hören geht es nicht zuletzt. Der Film bringt im Schnitt das Hören und das Sehen zusammen. Es gibt in «The Conversation» keinen Blick übers Ganze, der das Bild und den Ton eindeutig zusammensetzte. Gene Hackman spielt die Figur grossartig, verkörpert das Prinzip der Verunsicherung. Der totale Wahn aber ist hier nicht das Drama eines Individuums, sondern die Struktur des Films. Coppola inszeniert betont ruhig und erzählt in einer ausgeklügelten Bild- und Tonsprache.

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