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Paris-Texas war 2 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im Mai 2006.

Paris-Texas

Wim Wenders, USA, 1984
147 Min.

Ein zweiter Film, über dem so etwas wie der filmische Blues schwebt, ein Film auch aus Zeiten, in denen die Arbeiten von Wim Wenders noch sehenswert waren und nicht bloss Fassade, hinter der sich nichts als die schöne Leere des Klischees versteckt. Vier Jahre nach seinem Verschwinden taucht der tot geglaubte Travis in einer Steinwüste nahe der mexikanischen Grenze auf. Ein Arzt benachrichtigt seinen Bruder Walt, der den erinnerungslosen Mann in seinem noblen Haus in Los Angeles aufnimmt. Bei Walt trifft Travis auch auf seinen siebenjährigen Sohn Hunter, der seit der Trennung seiner Eltern bei seinem Onkel lebt. Zögerlich kehren Travis’ Erinnerungen zurück und auch sein misstrauischer Sohn fasst langsam Vertrauen. Gemeinsam mit Hunter begibt sich Travis auf die Suche nach seiner verschollenen Frau Jane: Der Beginn einer abenteuerlichen Odyssee durch den kargen Südwesten Amerikas. «Paris, Texas» war jener Film, der dem deutschen Autorenfilmer Wim Wenders die Goldene Palme. Er beginnt mit einem der klassischsten Motive des Westerns: Aus der unendlichen Weite der zerklüfteten texanischen Wüste kristallisiert sich ein einsamer Wanderer, der zurückkehrt in die Zivilisation. Schon mit dieser Eröffnung setzt Wenders eine Referenz an John Fords Western «The Searchers», in dem John Wayne als gebrochener Cowboy Ethan Edwards auf ganz ähnliche Weise seinen ersten Auftritt hat. Dort begibt sich Edwards auf die Suche nach seiner von Indianern verschleppten Nichte. Diese Suche ist natürlich eine Suche nach sich selbst, getrieben von der leisen, verzweifelten und niemals wirklich ausgesprochenen Hoffnung auf Sühne und Vergebung für eigene, vergangene Fehler. Wim Wenders schuf mit «Paris, Texas» eine rührende Hommage an den Klassiker - auch bei ihm geht es um die Suche eines einsamen Cowboys nach Vergebung. Wenders’ schlafloser Held, der am Anfang des Films zunächst stumm und scheinbar ohne Gedächtnis quasi vom Wilden Westen ausgespuckt wird, heisst Travis (Harry Dean Stanton). Er will zu dem Land gelangen, dass er per Post gekauft hatte: Ein Grundstück in der Stadt Paris im US-amerikanischen Texas. Nur mühsam und langsam kann Walt seinen Bruder zu sich nach Hause in Los Angeles bringen, und ähnlich langsam entfaltet sich auch für den Zuschauer die tragische Hintergrundgeschichte von Travis: Er war einmal glücklich verheiratet und unsterblich verliebt in seine Frau Jane (Nastassja Kinski), doch vor vier Jahren kam es zu einer plötzlichen Trennung. Travis verschwand spurlos, und Jane liess ihren gemeinsamen Sohn Hunter in der Obhut von Walt und seiner Gattin Anne (Aurore Clément). Auch sie ward seitdem nicht mehr gesehen. Die Musik in diesem Film stammt von Ry Cooder und trägt viel zur Wehmut bei, die über im baumelt.

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