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Nadyas Village (20 Jahre Tschernobyl) war 1 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im Mai 2006.

Nadyas Village (20 Jahre Tschernobyl)

Seiichi Motohashi, Weissrussland, 1998
118 Min.

Ein trauriges Kapitel in der Geschichte des späten 20. Jahrhunderts und in der Nutzung von Kernenergie. In den frühen Morgenstunden des 26. April 1986 explodierte das Atomkraftwerk Tschernobyl. Damals gehörte das Gebiet der heutigen Ukraine noch zur Sowjetunion. Der Landstrich Gomel bei Tschernobyl gehört heute zu Weissrussland. Vor dem Unglück verfügte er über fruchtbaren Boden, auf dem Kartoffeln, Gerste und andere landwirtschaftliche Produkte angebaut wurden. Kurz nach dem Unglück verteilte ein starker Wind Radioaktivität über das ganze Gebiet und verwandelte die Erde in verseuchtes und totes Land. Fast alle der dort lebenden dreihundert Familien wurden gezwungen, ihre Häuser zu verlassen. Nur sechs von ihnen blieben zurück. Sie meinten: «Wir können nicht davonlaufen». Weil sie sich weigerten, in einen anderen Teil des Landes zu ziehen, wurden sie «Samosyol» (Egoisten) genannt. Die achtjährige Nadya im Dorf Dudichi im Landkreis Tschetschersk in Gomel gehört zu einer dieser sechs Samosyol-Familien. Im Frühling breiten sich grüne Felder vor ihnen aus und im Sommer ernten sie Getreide. Elf Jahre waren zur Zeit der Dreharbeiten dieses beeindruckenden Films seit der Katastrophe von Tschernobyl vergangen und noch immer war das radioaktiv stark belastete Land offizielles Sperrgebiet. Es ist es heute noch und wird es noch auf hunderte von Jahren bleiben. Die Menschen, die trotzdem geblieben sind, leben ihr eigenes isoliertes Leben in der weiten Ebene. Die Verstrahlung ist nicht sichtbar, umso wichtiger, sich die Gefahr immer mal wieder bewusst zu machen. Bereits sind zwanzig Jahre vergangen seit Tschernobyl. Seine Kraft bezieht dieser besinnliche Film des japanischen Fotografen Seiichi Motohashi aus der Stille und der Verlorenheit der Situation, in der die Handvoll zurückgebliebener Menschen nicht weggehen mag, weil etwas, was man Heimat nennen mag, einen so leicht nicht ziehen lässt.

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