© Kino Orient  


L enfant endormi war 6 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im Oktober 2005.

L enfant endormi

Yasmine Kassari, Marokko, 2004
95 Min.

Im Nordosten Marokkos erlebt die hübsche Zeinab ihr Hochzeitsfest und muss zusehen, wie der Ehemann am Tag danach ins Ausland abreist, um in Spanien Arbeit zu suchen. Wann er wiederkehrt, ist unklar, klar ist aber bald, dass Zeinab schwanger ist. Auf den Mann wartend macht die junge Frau, was in ihrer Heimat einer alten Tradition entspricht: Sie lässt das ungeborene Kind in ihrem Körper schlafen in der Hoffnung, dass der Vater eines Tages wieder kommen möge und sie dann gemeinsam das Kind zur Welt bringen können. Die Filmemacherin Yasmine Kassari, die mit ihrem letzten Film «Quand les hommes pleurent» Männer im spanischen Arbeitsexil porträtiert hat, stellte sich die Frage: Und was ist mit den zurück gelassenen Frauen? Sie hat sich nach dem Dokumentarfilm für den Spielfilm entschieden, um von diesem Brauch zu reden, der auch sinnbildlich stark ist für die Situation der Frauen. Entstanden ist ein beeindruckendes Frauenporträt einerseits und ein ausgesprochen sensibler Film über die Gegenwart des Abwesenden, ein Film auch über die Zeit. Der Mythos vom «enfant endormi» interessierte Kassari in dem Sinn, als er Sinnträger sein konnte für das, was sie erzählen möchte: «Was mich interessiert, ist weniger die soziologische oder anthropologische Lektüre des Mythos, als vielmehr sein metaphorischer Gehalt.» Und dies schafft sie auf einfühlsame Weise mit ihrem Film, in dem wir eine sorgsame Annäherung ans Frauenleben im Marokko von heute zu sehen bekommen mit der vorzüglichen Kameraarbeit von Giorgos Arvanitis, der sich über die Filme des Griechen Theo Angelopoulos einen Namen gemacht hat. Seine Bilder sind von einer Diskretion getragen, die für den fragilen Stoff entscheidend sind. Denn letztlich geht es um etwas, was nicht wirklich sichtbar ist.

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