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Jules et Jim war 3 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im Dezember 2016.

Jules et Jim

François Truffaut, Frankreich, 1962
105 Min.

Filmemacher François Truffaut war nicht nur ein «homme qui aimet les femmes», er war auch ein Mann, der das Kino liebte und uns sozusagen als filmische Liebeserklärungen einige der schönsten Leinwandgeschichten geschenkt hat. Zum Beispiel jene von Jules und Jim und Cathérine, einem Dreieck der Liebe. Vor dem Ersten Weltkrieg treffen sich die beiden jungen Literaten, der Franzose Jim der Deutsche Jules im Pariser Montmartrequartier und werden unzertrennbare Freunde. Sie arbeiten zusammen, übersetzen die Werke des jeweils anderen in die eigene Sprache und gehen gemeinsam auf Reisen. Als sie Cathérine kennen lernen, verlieben sich beide in sie. Von nun an verbringen sie in einer legeren Dreierbeziehung unbeschwerte Tage bis plötzlich der Krieg ausbricht. Jules fährt zurück nach Deutschland, um seinem Vaterland zu dienen, und schon bald stehen sich die zwei Freunde an feindlichen Fronten gegenüber, zeigt sich die Absurdität eines jeglichen Krieges. Truffaut hat hier einen auch visuell äusserst fein gestalteten Film geschaffen, dessen Inszenierung mit Sinn für Leichtigkeit und sanfte Ironie besticht. Zum ästhetischen Genuss tragen die fliessende Kameraführung und der weiche Schnitt bei. Tragisch ist die Geschichte, aber ebenso leicht und wunderbar selbstironisch. Man muss sich in das Trio verlieben und kann mit ihm beschwingte Tage am Montmartre verleben – etwa dann, wenn die betörend neckische Jeanne Moreau als Catherine den beiden Jungs erläutert und dies mit entsprechender Mimik verdeutlicht, dass sie beschlossen habe, künftig nicht mehr mit ernstem Gesicht herumzulaufen, vielmehr mit einem Lächeln. Das ist ansteckend und empfehlenswert, es ist für den früheren Filmkritiker natürlich auch eine Hommage an eine geliebte Schauspielerin.

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