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Le charme discret de la bourgeoisie war 2 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im Mai 2005.

Le charme discret de la bourgeoisie

Luis Bunuel, Frankreich, 1992
102 Min.

Alle zehn Jahre wolle er sein Grab verlassen, hatte der Spanier Luis Buñuel in seiner köstlichen Rückschau «Der letzte Seufzer» mit Blick auf die Zeit nach dem Tod notiert. Er würde sich dann jeweils zum Kiosk schleichen, um sich da mit neuen Zeitungen einzudecken, auf dass er sich angesichts der Katastrophen beruhigt wieder in seine Gruft verkriechen könne. Das ist ein Vierteljahrhundert her, und wenn man in die Welt hinausschaut, beschleicht einen des öftern das Gefühl: Buñuel hatte Recht. Der Filmemacher hat im Umfeld der Surrealisten in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts zu arbeiten begonnen und dabei, zusammen mit Salvador Dalí, alle Konventionen zunächst über Bord geworfen, um Bilder zu erfinden, die es nicht gab und die keinerlei Bezüge haben sollten. Das war natürlich auch schon wieder eine Illusion, aber dem Spiel mit den Bildern ist sich Buñuel ein Leben lang treu geblieben. «Kommen Sie doch zum Essen zu uns!» Dieser schlichte Satz ist der Ausgangspunkt seines Spielfilms «Le charme discret de la bourgeoisie»: Sechs Personen tun da nichts, als sich pausenlos gegenseitig zum Essen einzuladen. Ein harmloser Zufall, kleine Widrig- und Seltsamkeiten verhindern ein ums andere Mal die geplanten Diners. Mal irrt man sich im Datum, mal liegt im ausgesuchten Restaurant gerade im Nebenzimmer der jüngst Verstorbene aufgebahrt, was den Gästen verständlicherweise den Appetit verdirbt. Einfach nur essen, zusammen zu essen, ist gar nicht so einfach. Doch allen Umständen zum Trotz werden die Formen gewahrt, die Äusserlichkeiten, die kleinen Selbstverständlichkeiten des «savoir vivre», denn den diskreten Charme der Bourgeoisie kann so leicht nichts erschüttern. Wiedersehen mit Fernando Rey, Delphine Seyrig und Bulle Ogier, ein Film, in dem Figuren in ihren (Denk)Räumen gefangen sind.

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