© Kino Orient  


Klingenhof war 1 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im April 2005.

Klingenhof

Beatrice Michel, Schweiz, 2005
81 Min.

IN ANWESENHEIT DER REGISSEURIN

Lebensraum? Was ist das Naheliegende? Ein Innenhof in Zürichs Kreis 5, bewohnt von Menschen aus verschiedenen Kulturen, Wohnort der Autorin und ihres Lebens- und Arbeitspartners, ein Projekt, entstanden aus dem Impuls, warum nicht vor der eigenen Haustür einen Film drehen? Wahrnehmen, was geschieht, Geschichten festhalten, Gesichter, Schicksale, frei nach Claudio Magris? Wort: «Jeder Ort kann Mittelpunkt der Erde sein.» Unweigerlich stellt sich die Frage nach Herkunft, Heimatlosigkeit, Fremdsein unter Fremden, entstehen Freundschaften, wird der Nachbar mehr als ein Schemen unter vielen andern. Ein Mensch kommt an, ein Mensch geht weg, Kinder, Junge, Alte finden ihre je eigenen Abenteuer im Hof und darum herum. Die Filmarbeit wurde überschattet durch den frühen Tod des Gefährten und Kameramanns Hans Stürm. Der Klingenhof ist ein Innenhof im Kreis 5 von Zürich, vor den «Sieben Geleisen» des nahen Bahnhofs gelegen, umgeben von fünfstöckigen Häusern, bewohnt von Menschen aus verschiedenen Nationen und Kulturen. Im Innern sind die Ruinen alter Ökonomiegebäude in den 70er Jahren umfunktioniert worden zu einem Spiel – und Begegnungsort. Die Torbogen, Gewölbe, Treppen und Podeste bilden so etwas wie eine Arena für einen Mikrokosmos, der die «grosse» äussere Welt spiegelt. Die Häuser ringsum beherbergen unter anderem das Caritas Hospiz, Kollers Milchladen, Maurizios Kiosk, eine Shoji-Schreinerei, das Chinese Inn, das Bistro «Föifi 30» (ehemals «Café du Midi»), das Restaurant «Tantpis» (renoviertes «Quartierkafi 5»). Im Exposé schrieb die Autorin Beatrice Michel, die zum Publikumsgespräch ins Orient kommen wird: Der Film, ein «poetischer» Dokumentarfilm, wird die Geschichte einiger Bewohner erzählen, die Verknüpfung ihrer Schicksale an diesem Ort und die Grenzen und Möglichkeiten von Begegnungen darzustellen versuchen. Texte aus dem Tagebuch werden die Klammern bilden, die eigene Geschichte mit den Geschichten der Nachbarn verbinden. Der Klingenhof ist kein idyllischer Ort, seine Bewohner und Besucher haben seine Lebendigkeit erhalten können. Vielleicht aus der Einsicht und aus der Erfahrung, dass Ausgrenzung Unbehagen erzeugt, dass der Ausgrenzende seinerseits einen Verlust an Offenheit erleidet. «In Afrika besteht die Kunst des Überlebens im Geschichtenerzählen », sagt einer zu Beatrice Michel. Sie beherrscht diese Kunst auf wunderbare Weise, ob sie sich nun dem Naheliegenden wie einem Bauerndorf (Gossliwil) zugewandt hat oder dem Fernen (Sertschawan), das sie aus der Nähe heraus aufgesucht hat. Eine anregende Begegnungsmöglichkeit mit der Autorin des Films nach der Vorführung.

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