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Le cerf volant war 4 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im April 2005.

Le cerf volant

Randa Ch. Sabbag, Libanon, 2003
80 Min.

Lamia (Flavia Béchara) lebt in einem südlibanesischen Dorf an der Grenze zu Israel. Am Tag ihrer Hochzeit mit einem Cousin, der in der anderen Hälfte des einst ungeteilten Ortes lebt, überquert sie den Stacheldraht. Lamias Dorfteil ist im Libanon, das Dorf von Sami wurde von Israel annektiert. Die Bewohnerinnen und Bewohner der beiden Dorfteile können nur per Megaphon miteinander sprechen und nur unter strenger militärischer Kontrolle. Sie begegnen sich nie und sehen sich nur mit Feldstechern. Einzig die sich Versprochenen dürfen diese Grenze überschreiten – und zurück können sie erst wieder im Sarg. Lamia lässt alles zurück: Ihre Familie, ihren kleinen Bruder, mit dem sie immer im Grenzstreifen Papierdrachen steigen liess, die Schule, ihre Freundinnen, ihre Mutter, ihre Vergangenheit. Auf der anderen Seite der Grenze, bei Sami, fühlt Lamia sich nicht wohl. Sie verweigert sich ihrem Mann – und da ist auch noch der junge Grenzpolizist, an dem sie vorbeigekommen ist auf dem Weg durch das verminte Niemandsland. Randa Chahal Sabbag, Tochter einer Libanesin und eines Irakers, hat in ihrem intensiven Drama die politische Trennung eines Dorfes poetisch überwunden. Diese Geschichte hätte sich auch an der türkisch-griechischen Grenze abspielen können, wo 180 Kilometer Stacheldraht die so genannte «Attila-Linie» bilden, aber auch in Korea oder anderswo Diese Geschichte ist dort möglich, wo Grenzen den Anderen zum Fremden, zum Feind machen. «Ich wollte von der Grausamkeit der Schicksale sprechen, vom Identitätsverlust, von der Absurdität der Grenzen und von der willkürlichen Annexion von Dörfern», sagt die Regisseurin, und «ich wollte ohne Hass vom Krieg sprechen. Dazu musste ich Schatten mit Mobilität verbinden, den Glauben verwerfen, alles in Zweifel ziehen und dem Ganzen eine visuelle Form geben. Dazu brauchte ich eine Liebesgeschichte, die sich an einer Grenze abspielt, in der kein Schuss fällt und nie von Frieden gesprochen wird.» «Le cerf-volant» ist in erster Linie eine Geschichte von Liebe, Sehnsucht und Unheil.

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