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Siamo Italiani war 1 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im Januar 2005.

Siamo Italiani

Alexander J. Seiler, Schweiz, 1964
78 Min.

1964 hat Alexander J. Seiler «Siamo Italiani» gemacht und damit einen der Schlüsselfilme des eben keimenden Neuen Schweizer Films. Der Film zeigte Einwanderer aus Süditalien, die in unwürdigenWohnverhältnissen in der Schweiz lebten, hart arbeiteten, sozial ausgegrenzt wurden. Für den neuen Film «Septemberwind» hat Alexander Seiler die Menschen von damals wieder aufgesucht. Sie leben heute hier oder in Apulien in ganz anderen Verhältnissen. Eine Erfolgsgeschichte? Sie haben am Schweizer Wohlstand mitgebaut, unter materiell und gesellschaftlich undiskutablen Bedingungen. Was ist aus ihnen geworden? Wir zeigen die beiden Filme hintereinander und als Ergänzung zur Ausstellung im Historischen Museum. Seiler zeigt ein Puzzle von Geschichten und Lebenssituationen, eine Vielfalt von Personen aus mehreren Generationen und macht damit viele Facetten des Migrantenlebens sichtbar. Die einen, Angehörige der seconda generazione, leben in der Schweiz. Ihre Eltern, inzwischen Rentner, geniessen das eigene Haus in Aquarica, einem Städtchen in Apulien. Sie besuchen sich gegenseitig. Eine andere Protagonistin aus dem ersten Film, die Fabrikarbeiterin Antonietta, ist in der Schweiz geblieben; Sohn und Tochter sind hier beruflich erfolgreich geworden. Der Film, eine Erfolgsgeschichte? «Nicht nur», sagt Seiler. «Aber zuerst einmal ist er wirklich eine Erfolgsgeschichte von Leuten, die sich ein Rentnerleben von hoher Qualität hart erarbeitet haben. Die es sich leisten können, ihre Kinder in der Schweiz zu besuchen.» Unterschwellig zeige der Film aber auch «die Entwurzelung, das Nichtwissen, wo man hingehört, die Trennung von Eltern und Kindern, Grosseltern und Enkeln.» Auch das will Seiler aufdecken.

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