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Amore e Anarchia war 3 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im Februar 2004.

Amore e Anarchia

Lina Wertmüller, Italien, 1973
123 Min.

Es gibt Filme, die man so rasch nicht wieder vergisst und die einem auch nach langer Zeit in wacher Erinnerung bleiben. Einer stammt von einer quirligen Italienerin schweizerischer Herkunft, entstand zu einer Zeit, in der noch weniger Frauen als heute Filme realisieren konnten und strotzt vor kühnen Betrachtungen des Lebens. Lina Wertmüller hat in den 70er Jahren ein paar freche Kinostücke inszeniert, die es in sich haben, lebensfroh sind, bondenständig in ihrer Schrägheit und sackstark. Man könnte sich vorstellen, dass sich ein Almodovar von der Italienerin inspiriert hat, ihre Unbekümmertheit auf die Leinwand zu übertragen, die Lebenslust auch, das schiere Sein auch in Zeiten, in denen die politischen Umstände nicht auf das Wohl der Gesellschaft ausgerichtet sind. In «Amore e anarchia», neben «Pasqualino Settebellezze» und «Mimi Metalurgico» Wertmüllers Prunkstück, geht es um den jungen Bauern Tonino (gespielt vom unvergesslichen Giancarlo Giannini), der mit all seinen Sommersprossen nach Rom in ein Bordell zieht. Von hier aus will er mit Hilfe einer Dirne ein anarchistisch motiviertes Attentat auf den Duce Benito Mussolini ausüben. Der Kontakt mit dem turbulenten Leben im Bordell und vor allem mit der Liebe verwirrt den naiven Anarchisten jedoch dermassen, dass die Ausführung seines Planes ins Wanken gerät. Lina Wertmüllers Film ist ein tragikomisches OEuvre voller Poesie, Zärtlichkeit, konsequent und logisch durchdacht: es ist ihr Meisterinnenstück.

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