© Kino Orient  


Urga und Urna war 1 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im Dezember 2003.

Urga und Urna

Nikita Nichalkow, USA, 1992
115 Min.

Spiel mir das Lied der Steppe, so könnte man den mongolischen Abend betiteln. Zum einen zeigen wir den traumhaft schönen Film «Urga» von Nikita Michalkow, zum anderen ergänzen wir den Kinoabend mit einem knapp einstündigen Konzert der mongolischen Sängerin Urna, die uns die Musik der Hochebene in den Advent bringt. Das Ordos-Gebiet im Südwesten der Inneren Mongolei ist nicht nur für die Weite seiner wunderbaren Steppen bekannt. Als Wiege einer reichen Gesangstradition wird es auch als das «Meer der Lieder» bezeichnet. Die Sängerin Urna ist als Tochter einer Viehzüchterfamilie dort aufgewachsen und hat bereits als Kind unzählige Lieder von ihrer Grossmutter gelernt. In Urnas Heimat gibt es niemanden, der mit den mongolischen Liedern nicht vertraut wäre, überall und in allen Lebenslagen werden sie gesungen. Urna verfügt über eine ausserordentlich ausdrucksstarke Stimme und beherrscht die Kunst des typisch mongolischen Kehlkopf- und Obertongesangs. Die charismatische Mongolin hat sich auch im Westen einen Namen als aussergewöhnliche Sängerin gemacht und ermöglicht uns hier fern des innermongolischen Hochplateaus, in diese wunderbare Musik einzutauchen. Und zur Einstimmung stimmt uns Nikita Michalkow im Spielfilm «Urga» in das Lied von Liebe und Natur ein. «Urga» ist die lange Stange, mit der mongolische Viehzüchter ihre Tiere in der Steppe einfangen. «Urga» ist auch das Symbol von Liebe, Kraft und Einsamkeit. Michalkow liebt es, von Begegnungen zu erzählen, die auf den ersten Blick befremdlich anmuten mögen, auf den zweiten Blick erhellend wirken. Das ist auch in «Urga» so, wo ein Lastwagenfahrer mitten in der mongolischen Steppe mit seiner Karre steckenbleibt und auf Hilfe angewiesen ist. Was als kleiner Unfall beginnt, mündet in einer Freundschaft, denn Sergej wird von der Familie Gombos herzlich aufgenommen. Uns ergeht es im Kino sitzend ähnlich wie Sergej: Wir erfahren eine Welt, die uns als ein Zeichen aus einer anderen Zeit erscheinen mag, aus einer Zeit, da mensch das Leben noch ganzheitlicher gestaltete.

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