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Hello Hemingway war 2 Mal im Kino Orient zu sehen, zuletzt im November 2003.

Hello Hemingway

Fernando Pérez, Kuba, 1992
76 Min.

Anfangs Dezember wird der neue Film des Kubaners Fernando Pérez, der uns mit «La vida es silbar» beglückt hat, in die Schweizer Kinos gelangen. Er heisst «Suite Habana». Pérez wird mitte November zu einer Vorpremière seines Filmes und zur Begegnung mit dem Publikum ins Orient kommen. Zur Einstimmung darauf präsentieren wir bis dahin seine Filme, die alle in Havanna, seiner Heimatstadt, angesiedelt sind. Den Auftakt macht «Hello Hemingway». Er gehört zu den Schlüsselwerken der modernen Literatur: Ernest Hemingways Kurzroman «Der alte Mann und das Meer». Fernando Pérez hat das Buch filmisch gelesen, im besten Sinn des Wortes umgesetzt. Bereits 1936 hatte Ernest Hemingway in einem Prosastück, das er im «Esquire» veröffentlichte, vom Kampf eines alten Fischers mit einem immensen Fisch erzählt. 1952 dann erschien der atmosphärisch dichte Kurzroman «The Old Man And the Sea» als sein letztes vollendetes Werk. Santiago fährt darin mit dem Fischerjungen Manolin zur See: Ohne Erfolg. Nach 84 Tagen erst beisst ein Schwertfisch an, der grösser ist, als das Boot des Alten. Ein Kampf beginnt, getragen vom Glauben des Fischers: «Man kann vernichtet werden, aber man darf nicht aufgeben.» «Hello Hemingway» spielt um 1958 herum, zu der Zeit also, da Hemingway auf Kuba lebte und die Tage des US-Putschisten Batista gezählt waren. Im Zentrum steht kein alter Fischer vielmehr die Schülerin Larita, die in ärmlichen Verhältnissen in nächster Nachbarschaft zu Hemingways Villa lebt und fasziniert ist von seinem letzten Buch. Larita bereitet sich aufs Abitur vor und träumt von einem Stipendium fürs Studium in den USA. Fernando Pérez verwebt ihre Geschichte mit der Lektüre von Hemingways Buch, führt die Allegorie raffiniert auf den Boden der Realität zurück. Da wird das Meer Hemingways zum gesellschaftlichen Umfeld Laritada wird der Schwertfisch zum Stipendium, werden die Haie zu Menschen, die dem Mädchen Biss um Biss ein Stück ihres Traumes, ihrer Hoffnung nehmen. Immer wieder zeigt Pérez seine Schülerin auch an jenem Ozean, der als verbindendes Bild zum Buch bestehen bleibt, kulminierend in jenem Punkt, da Hemingways Text sich mit der Befindlichkeit Laritas deckt: «Er blickte über das Meer, und er wusste, wie allein er jetzt war.» «Hello Hemingway» zeigt, wie allein man sein kann, auch wenn man von Menschen umgeben ist. Die Parallelen schälen sich gleichsam aus dem kubanischen Alltag jener Jahre heraus, in den die Filmhandlung eingebettet ist. Reizvoll an Pérez’ Vorgehen ist sein persönlicher Zugang: Fern einer Literaturverfilmung, nah einer Lektüre. Entsprechend weitet sich sein Blick vom Kampf des Einzelnen aufs Erwachsenwerden, auf den Kampf zur Überwindung sozialer Schranken, aufs Frau werden und Frausein in einer nach männlichen Kriterien definierten Gesellschaft.

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